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Die Vision einer anderen Welt

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Es wäre keine perfekte Welt. Menschen würden immer noch sterben oder sich ungeliebt fühlen. Es würde weiterhin Probleme geben. Aber es wäre eine weit, weit bessere Welt. Und mit der Zeit würden die Menschen anders fühlen und handeln.
Zwei Dinge werden uns helfen. Erstens könnten die Menschen, die wir jetzt sind, diese neue Welt nicht erschaffen. Aber indem wir für sie kämpfen und gewinnen, würden wir andere Menschen werden, und zwar nicht nur wir hier in diesem Raum, sondern die Mehrheit der Menschen auf der Welt.
Überlegt euch, wie sehr ihr euch dadurch verändert habt, dass ihr hier in Florenz seid, wie viel Hoffnung und Zuversicht ihr gewonnen habt, indem ihr an dieser einen Erfahrung, dem Europäischen Sozialforum, teilgenommen habt. Dann stellt euch diese Veränderung in größeren Kämpfen tausendfach multipliziert vor und ihr bekommt eine ungefähre Vorstellung davon, wie sehr wir uns verändern können.
Aber es wird auch eine neue Generation zur Welt kommen, die in einer neuen Welt aufwachsen wird. Wir sind alle im Kapitalismus groß geworden. Wir tragen alle die Wunden von viel Leid und Trauer und dem Gefühl, klein und hilflos zu sein. Ich rauche. Ich bin übergewichtig. Und wir alle tragen dieses Leid in unserem Körper, in unseren Knochen und Gliedern, in der Art, wie wir stehen und uns bewegen.
Betrachtet ein Baby und wie es die Welt mit seinen großen Augen begierig und voller Begeisterung aufsaugt. Nicht alle Babies, nicht jene, die nicht genug zu essen haben.
Aber die anderen. Und dann seht euch die Erwachsenen an. Wir könnten eine Welt schaffen, in der diese Begeisterung bis ins Erwachsenenalter dauert. Und diese Menschen, die in einer neuen Welt groß würden, könnten wieder eine bessere Welt hervorbringen.
Ich weiß nicht, ob wir das in Familien tun werden oder nicht. Es könnte sich herausstellen, dass alle eine Standardfamilie wollen mit 2,4 Kindern und einer geschnittenen Hecke. Vielleicht wird die Hälfte der Bevölkerung schwul oder lesbisch sein. Und vielleicht wollen alle Schwulen und Lesben 2,4 Kinder und Hecken schneiden. Ich habe keine Ahnung. Aber ich weiß, dass wir in der Lage wären, diese Entscheidungen wirklich selbst zu fällen und uns dafür zu entscheiden, was wir wirklich wollen.
Es wird nicht leicht sein, diese neue Welt zu schaffen. Wir stehen erst am Anfang der antikapitalistischen Bewegung. Vor uns liegt ein schwerer Weg mit vielen Höhen und Tiefen. Wir werden Siege erleben, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können, und bittere Niederlagen erleiden. Und dabei werden wir immer mehr werden und uns grundlegend verändern.
Niemand kann behaupten, dass wir sicher eine neue Welt erreichen werden. Unsere Parole lautet: Eine andere Welt ist möglich. Nicht: Eine andere Welt ist sicher. Aber ich weiß folgendes: Ich bin 54 Jahre alt und bin in meinem ganzen Erwachsenenleben Sozialist gewesen. Bis vor einem Jahr dachte ich nicht, dass ich eine andere Welt noch erleben würde. Seit der großen Demonstration in Genua letztes Jahr weiß ich, dass das möglich ist.

von Jonathan Neale

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Linksruck Nr. 144, 17. Dezember 2002

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