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Gegenfeuer:

Geschichtslehrer Huber

Berthold Huber ist ein Mann mit Fähigkeiten. Sonst wäre er nicht das geworden, was er ist: Vizevorsitzender der IG Metall. Allerdings wissen wir aus der Vergangenheit, dass auch ein solcher Status nicht vor Verirrungen unterschiedlicher Art schützt.
Berthold Huber macht sich Sorgen um die parteipolitische Landschaft in der Bundesrepublik.
Dazu hat er allen Grund. Aus meiner Sicht: Die sozialdemokratisch geführte Bundesregierung betreibt eine Politik, die den Gewerkschaften den Boden wegnimmt, auf dem sie über Jahrzehnte hin nicht ohne Erfolg agieren konnten. Und die SPD, von den Grünen unterstützt, schafft zugleich die Vorraussetzungen dafür, dass CDU/CSU/FDP demnächst diesen gewerkschaftsfeindlichen Kurs fortsetzen können.
Nicht mit Warnungen vor der informellen Großen Koalition, die in der Bundeshauptstadt tätig ist, hat sich Berthold Huber jetzt in den Medien profiliert, sondern mit einer ganz anderen Aussage: Er warnt die GewerkschafterInnen vor einer neuen linken Parteigründung. Kurioserweise begründet er dies mit dem Hinweis auf eine „Einheitsgewerkschaft“, obwohl doch leicht zu erkennen ist: Huber will der SPD Schützenhilfe leisten und sie vor einer linken Konkurrenz bewahren. Mit „parteipolitischer Neutralität“ hat das nichts zu tun. Und dann schiebt Huber ein historisches Argument nach: „Es gibt Leute, die sagen, wir müssen eine linkspopulistische Partei gründen. Wenn man die deutsche Vergangenheit anschaut, muss man davon ausgehen, dass dies nicht ohne eine Antwort von rechts bleiben wird. Und wenn ich die Geschichte richtig begriffen habe, haben sich die Rechtstendenzen dann immer als die stärkeren erwiesen.“ Das ist starker Tobak, den der IG Metall-Vize da verabreichen will. War es etwa „Linkspopulismus“, der im Laufe des Ersten Weltkriegs immer größere Teile der Arbeiterbevölkerung dazu brachte, sich von der „alten“ SPD abzuwenden, die den kriegerischen deutschen Imperialismus unterstützte? Hätten die Massen, die „Frieden, Freiheit und Brot“ forderten, die Kriegsherren und Rüstungsfabrikanten nicht reizen dürfen? Und was immer an der Politik der Linken in der Weimarer Republik zu kritisieren ist, (das ist nicht wenig) – hätten sich Kommunisten und Sozialisten und Antimilitaristen gegen den Fortbestand der gesellschaftlicher Macht feudaler und kapitalistischer Eliten nicht empören dürfen? War der Herrschaftswille der deutschen Imperialisten, vor 1914, nach 1918 und dann ab 1933 eine „Antwort“ auf „Linkspopulismus“? Wer das annimmt, hat von der Geschichte nichts begriffen. Als Geschichtslehrer mit Ratschlägen fürs Aktuelle sollte sich Berthold Huber nicht weiter betätigen. Er hätte doch, den Zustand der Gewerkschaften bedenkend, genug anderes zu tun.

von Arno Klönne

Linksruck Nr. 182, 18. August 2004

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