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Bochum: Wir kämpfen weiter

Jürgen Rosenthal (rechts) spricht zu den streikenden Arbeitern bei Opel Bochum
Du bist durch den Arbeitskampf bei Opel Bochum bekannt geworden. Wirst du kandidieren, wenn die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit in Nordrhein-Westfalen (NRW) bei den Landtagswahlen im Mai antritt?
Ja, ich werde der Wahlalternative anbieten zu kandidieren und alles tun, damit wir erfolgreich sind. Bei den Kommunalwahlen im September habe ich noch SPD gewählt. Aber mir war damals schon klar, dass eine wählbare Alternative notwendig ist, weil die SPD die Interessen der Arbeiter nicht mehr vertritt.

Wieso bist du der Wahlalternative beigetreten?
Nach den Kommunalwahlen habe ich von den Rebellen aus der SPD gehört, die sich in der Wahlalternative, einer neuen Linkspartei, organisiert haben. Unser früherer Betriebsratsvorsitzender Peter Jasczyk war auch dabei. Er und andere von der Wahlalternative waren jeden Tag bei uns im Werk, als wir im Oktober gegen die Entlassungen gekämpft haben.
Sie haben Solidaritätsunterschriften und Spenden mitgebracht und damit bewiesen, dass sie auf unserer Seite stehen.
Peter hat mit mir über die Wahlalternative gesprochen. Ich bin eingetreten und nach mir noch 15 weitere Kollegen. Wenn wir gut arbeiten, werden wir bei Opel Bochum bald 60 Mitglieder haben.

In eurem Werk sollen noch immer 4000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Wie geht euer Widerstand dagegen weiter?
Sobald die Konzernleitung ihre genauen Pläne auf den Tisch legt, werden wir wieder vor dem Werkstor stehen; vielleicht schon diesen Monat. Opel droht, uns zu entlassen, wenn wir noch mal streiken. Auf mich haben sie es besonders abgesehen, weil ich während des Arbeitskampfes Sprecher der Belegschaft war.
Die Konzernleitung hat mich seitdem wegen Kleinigkeiten drei Mal abgemahnt. Doch die Kollegen stehen hinter mir, weil sie mich und meine Arbeit kennen.
Die Abmahnungen beweisen, dass die Konzernleitung uns einschüchtern will. Wir lassen das aber nicht zu und vernetzen uns schon jetzt mit den Opel-Kollegen in Rüsselsheim und Eisenach, damit wir nächstes Mal in allen Opel-Werken gemeinsam aufstehen können.

Im Oktober haben nur die Arbeiter bei Opel Bochum gestreikt. Wie wollt ihr die Kollegen in anderen Werken vom Kampf überzeugen?
Viele Kollegen aus Rüsselsheim und Eisenach wollten uns vom ersten Streiktag an unterstützen. Sie spürten, dass es um unser aller Existenz geht.
Der Gesamtbetriebsrat hätte den gemeinsamen Kampf aller Opel-Arbeiter in Europa organisieren müssen. Doch die Betriebsräte haben uns verraten. Die Kollegen aus den anderen Opel-Werken haben uns erzählt, dass sie nicht nur von der Konzernleitung, sondern auch vom Betriebsrat unter Druck gesetzt wurden.
Der hat die Kollegen beschworen, unserem Beispiel nicht zu folgen. Der Betriebsrat hat die Kollegen angelogen: Angeblich könnten sie ihre Arbeitsplätze nur retten, wenn sie nicht kämpfen.
Viele Kollegen haben diese Lügen durchschaut. Das haben uns die Delegationen von Opel Rüsselsheim und Eisenach bestätigt. Wir hatten sie zu einem Fest eingeladen, mit dem wir uns bei allen Spendern für die 12.000 Euro bedankt haben.
Bei Opel Bochum wollen wir jetzt eine Betriebsgruppe der Wahlalternative gründen und bei den Betriebsratswahlen antreten. Wir brauchen einen Betriebsrat, der die Interessen der Arbeiter vertritt, anstatt uns gegeneinander auszuspielen.

Wie kann die Wahlalternative dich und die anderen Kollegen unterstützen?
Bei Opel kann ich zurzeit keine führende politische Aufgabe übernehmen. Sonst werde ich entlassen. Außerhalb des Werks werde ich überall erzählen, was bei Opel passiert und warum wir eine andere Politik als die der SPD und der unsolidarischen Betriebsräte brauchen.
Die Wahlalternative Berlin hat mich deshalb eingeladen, bei der Veranstaltung „Solidarität statt Standortkonkurrenz“ zu sprechen. Auch die Wahlalternative Dresden hat mich eingeladen.

Das Gespräch führte Irmgard Wurdack

Linksruck Nr. 190, 8. Dezember 2004

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