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Kann die Welt jemals geändert werden?

Habt ihr Fragen die wir an dieser Stelle beantworten sollen? Dann schickt sie an stefanbornost@linksruck.de

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, hat Karl Marx im 19. Jahrhundert geschrieben. Wer morgens in den Bus oder die U-Bahn steigt, sieht, dass Marx Recht hatte.

Dutzende Menschen sitzen mit trüben Gesichtern da und interessieren sich kaum für ihre Umgebung. In solchen Momenten scheint es unwahrscheinlich, dass nur einer von ihnen versucht, die Welt zu verändern.

Dabei hätten die meisten Menschen Grund dazu: Der Bauarbeiter, der pünktlich zur Schicht muss, weil sonst sein geringer Lohn weiter gekürzt wird. Die Studentin, die Angst hat, keinen Platz mehr im überfüllten Hörsaal zu bekommen. Oder der arbeitslose Familienvater, der rechtzeitig beim Sozialamt sein muss, um eine Wartenummer zu kriegen.

Zudem werden Menschen gezwungen, miteinander zu konkurrieren. Der Bauarbeiter muss seinen geringen Lohn hinnehmen, weil er sonst durch jemanden ersetzt wird, der für noch weniger Geld arbeitet. Die Studentin kann nur studieren, weil anderen die Chance verweigert wird. Der Arbeitslose muss hoffen, dass jemand entlassen wird, den er ersetzen kann.

Diese Sorgen sind nicht natürlich. Sie entstehen, weil die Herrschenden in wirtschaftlichen Krisen den Druck auf die Menschen erhöhen. Sie spielen uns gegeneinander aus, obwohl wir alle dieselben Probleme haben.

Der Boss des Bauarbeiters will konkurrenzfähig bleiben und senkt deshalb die Löhne der Arbeiter. Die Studentin muss sich Sorgen um den Platz im Hörsaal machen, weil der Staat den Universitäten das Geld kürzt, und diese immer weniger Veranstaltungen anbieten.

Politiker und Medien erklären uns jeden Tag, dass soziale nötig sind. Angeblich gebe es kein Geld für Bildung und Sozialsysteme.

Dabei gibt es in Deutschland 775.000 Millionäre. Der Unterschied zwischen Armen und Reichen wird immer größer. 1998 mussten 13 Prozent unterhalb der Armutsgrenze leben. 2003 waren es 15 Prozent. Im selben Zeitraum ist der Anteil der Reichen von 18 auf 19 Prozent gestiegen.

Viele Menschen finden das falsch. 67 Prozent sind dafür, die Reichen stärker zu besteuern. Stattdessen hat die Regierung im Januar den Spitzensteuersatz gesenkt. Es gibt keine Partei, die im Parlament darüber spricht, eine Vermögenssteuer einzuführen. Keine Partei vertritt die Interessen der Menschen.

Deshalb glauben viele zu Recht, dass Wahlen nichts ändern. Die meisten Leute fühlen sich machtlos gegenüber dem herrschenden System. Sie haben erfahren, dass sie nichts verändern können, ob in der Schule oder am Arbeitsplatz. Viele Menschen sind auch von denen enttäuscht, die ihre Interessen vertreten sollen: Parteien oder Gewerkschaften.

Ein anderer Satz von Marx lautet: „Die herrschenden Ideen sind die Ideen der Herrschenden.“ Die Politiker wollen uns weismachen, dass sie besser wissen, was gut für uns ist, als wir selbst.

Die Widersprüche zwischen ihren Versprechen und der Wirklichkeit, versuchen sie zu verschleiern. Wir können jeden Tag lesen und hören, dass es angeblich keine Alternative zum Sozialkahlschlag gibt und das wir uns daran gewöhnen müssen, länger zu arbeiten und weniger Geld zu bekommen. Sie behaupten, nur eine kleine Minderheit sei fähig, die Gesellschaft zu organisieren.
Diesen Lügen können die Herrschenden nicht ewig aufrechterhalten. Wenn die Unzufriedenheit der Menschen über die Widersprüche, die sie täglich erleben, zu groß wird, kommt es zu Widerstand.

In der Geschichte gibt es viele Beispiele dafür, dass sich unterdrückte Menschen wehren – manchmal sogar mit einem revolutionären Aufstand gegen die herrschenden Klassen. Die Menschen haben es zum Beispiel in Russland 1917 geschafft, ihre Regierung zu beseitigen und die Politik in die eigene Hand zu nehmen.

US-Präsident Abraham Lincoln formulierte das im 19. Jahrhundert so: „Man kann die ganze Bevölkerung eine Zeit lang täuschen und man kann einen Teil der Bevölkerung die ganze Zeit täuschen, aber man kann nicht die ganze Bevölkerung die ganze Zeit täuschen.“

von Stefan Bornost (E-Mail)

Linksruck Nr. 192, 2. Februar 2005

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