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Falludscha: Sie haben Kinder ermordet

Zur Person

Mohammad F. Awad ist Bauingenieur und war von 1982 bis 84 Bürgermeister des Städtchens Haditha bei Falludscha. 2003 und 04 war er Vorsitzender des Rats von Saqlawiya, einer Kleinstadt, neun Kilometer nördlich von Falludscha.
Seit letztem Jahr ist Awad Direktor des vom Roten Kreuz unterstützten Flüchtlingshilfe-Zentrums in Saqlawiya. Er hat Leichen von ermordeten Einwohnern Falludschas geborgen und zur Identifikation und Bestattung nach Saqlawiya gebracht.

Falludscha ist das Dresden des Irak. Die Bombardierung Dresdens 1945 war eine Verletzung der Menschenrechte. Ebenso, wie das, was die US-Armee in Falludscha getan hat und jeden Tag im Irak tut. Falludscha ist 70 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt. Um Falludscha wurden viele Kriege geführt. Die Menschen dort haben nie geduldet, dass ihre Ehre verletzt wird; auch nicht von der US-Armee.

Deren erster Kampf um Falludscha begann am 7. April letzten Jahres. Die Menschen haben ihre Stadt verteidigt. Die USA haben mit aller Macht versucht, Falludscha zu erobern. Doch sie sind gescheitert.

Die Bewohner haben die US-Armee zu Verhandlungen gezwungen. Der Widerstand im ganzen Land hat sie dazu gezwungen. Dafür wollte sich die US-Armee rächen.

Sie hat den Angriff acht Monate vorbereitet. Die Stadt wurde von allen Seiten von Soldaten eingeschlossen. Die Menschen in Falludscha haben versucht, den Angriff abzuwenden. Doch die USA waren entschlossen, sich zu rächen.

Im November drangen Marines (Spezialeinheit der US-Armee, die Redaktion) in die Stadt ein. Es ging sehr schnell, weil sie mit unglaublicher Gewalt vorgedrungen sind. Es gibt keine Straße in Falludscha, die nicht von Zerstörung gezeichnet ist.

Das Leben der Menschen ist schrecklich. Wir mussten Flüchtlinge in Lagern unterbringen, die noch nicht mal fertig gebaut sind. Die Familien konnten nichts mitnehmen, keine Kleidung, nichts.

Ich habe kleine Kinder gesehen, die keine Milch hatten; sehr kranke alte Menschen, die keine Medikamente hatten. Wir haben alles versucht, um diesen Menschen zu helfen.

Ich habe auch versucht, mit der US-Armee auszuhandeln, dass wir dringend benötigte Lebensmittel in die Stadt bringen dürfen. Doch sie haben immer irgendwelche Gründe erfunden, um keine Hilfe in die Stadt zu lassen.

Viele sind langsam verhungert oder qualvoll gestorben, weil es keine Medikamente gab. Die Verwandten durften ihre Angehörigen nicht beerdigen.

Erst als die Lage vollkommen unerträglich war, konnten wir einige gespendete Lebensmittel nach Falludscha zu bringen. Es waren noch 25.000 bis 30.000 Menschen dort.

Sie blieben, weil sie der US-Armee glaubten, dass sie in ihren Wohnungen nicht angegriffen würden. Oder sie wussten nicht, wohin sie fliehen sollten.

Als Helfer nach Verhandlungen von Hilfsorganisationen mit den Besatzern in die Stadt durften, fanden sie viele Leichen. Ich habe selbst eine Familie gesehen, die von US-Soldaten ermordet wurde. Die ganze Familie. Keiner hat überlebt.

Der Vater war Mitte 50, ein Kind war 11 Jahre alt, eine Tochter war gerade in der 6. Klasse, eine weitere Tochter in der 4. Klasse. Ich habe die Leichen identifizieren lassen, bevor sie beerdigt wurden.

Bekannte und Verwandte dieser Familie haben mir erzählt, dass eine Tochter sich mit ihrem Bruder unter dem Bett versteckt. Trotzdem haben Scharfschützen sie getötet.
Das haben die so genannten Helden getan, die angeblich für Demokratie und Freiheit kämpfen. Dr. Haded und ich sind weit gereist, um all das zu berichten. Wir hoffen, dass die Wahrheit von euch, die gegen Krieg und Besatzung sind, auch in Deutschland verbreitet wird.

Wir wünschen uns, dass all die Menschen, die vor zwei Jahren friedlich gegen den Krieg demonstriert haben, auch fordern, dass die Besatzer den Irak verlassen und dass die Besatzer die Menschen in Falludscha wenigstens mit Geld entschädigen.

Linksruck Nr. 194, 2. März 2005

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