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Libanon: Bush missbraucht die Bewegung

Gilbert Achcar lebte bis 1983 im Libanon. Danach arbeitete er als Politikwissenschaftler an der Universität in Paris. Zurzeit ist er in Berlin beschäftigt.
Gilbert ist in der Antikriegsbewegung aktiv und Mitglied des Revolutionär-Kommunistischen Bundes (LCR) in Frankreich. Er wird auf den Rosa-Luxemburg-Tagen vom 13. bis 16. Mai in Berlin über Bushs Kriege und den Nahen Osten sprechen.

Warum unterstützt Bush die Demonstrationen für den Abzug der syrischen Armee?

Hunderttausende haben gegen die Ermordung des Politikers Hariri protestiert. Viele fordern auch den Abzug der syrischen Armee. Die USA wollen diese Demos missbrauchen, um selbst mehr Macht über den Libanon zu erlangen.

Wozu?

Bush will den gesamten Nahen Osten kontrollieren. Doch er kann den Widerstand der Iraker nicht besiegen. Deshalb versuchen die USA jetzt ersatzweise den syrischen Diktator Assad zu unterwerfen und ihm eine Kollaboration beim Krieg im Irak aufzuzwingen.

Aber es haben auch Libanesen gegen die USA demonstriert.

Am 8. März haben pro-syrische Gruppen eine weit größere Demo gegen die Herrschaft der USA über den Libanon organisiert. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung im Nahen Osten ist gegen die Macht der USA über die Region.

Laut vieler Medien demonstrierten demokratische Libanesen gegen Syrien und demokratiefeindliche gegen die USA und Israel.

In Wirklichkeit hängt es meist von der sozialen Stellung und der Religion der Menschen ab, welche Besatzungsmacht sie am meisten fürchten. Die meisten Christen hoffen auf die USA, während der größte Teil der Muslime deren Machtansprüche ablehnen.
Auf die Demos gegen Syrien gehen mehrheitlich Christen, inklusive reiche Städter, deshalb nennen viele Libanesen diese Bewegung „BMW-Revolution“.
Auf die größere pro-syrische Demo sind mehrheitlich schiitische Muslime und vor allem arme Menschen gegangen. Die Schiiten sind die größte und ärmste Gruppe im Libanon.

Gehen die Schiiten für die syrische Besatzung auf die Straße?

Nein, die Schiiten haben mit ihrer Demo auf die anti-syrische Bewegung reagiert. Die meisten Syrer im Libanon sind keine Soldaten sondern Bauarbeiter.
Viele wohlhabende Christen wollen aus rassistischen Gründen keine Syrer im Libanon. Auf ihren Demos wurden syrische Arbeiter oft angegriffen.

Das Gespräch führte Jan Maas.

Linksruck Nr. 195, 16. März 2005

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