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Kein Geld zum Kochen

Rund 50 Kinder füllen die „Arche“ in Berlin-Friedrichshain, obwohl die christliche Betreuungseinrichtung für arme Kinder und Jugendliche an diesem Tag erst eingeweiht wird. Aber das hat sich schnell herumgesprochen. Hier gibt es neben Hausaufgabenhilfe und kostenlosem Freizeitprogramm auch eine „Kids-Küche“. Sie versorgt die Kleinen mit einer warmen Mahlzeit – denn die können ihnen ihre Eltern nicht immer bieten.

Karin Reschke nimmt an der Einweihung teil. Sie ist allein erziehende Mutter zweier Kinder, anderthalb und viereinhalb Jahre alt. „Ich habe zu wenig Geld, um jeden Tag zu kochen“, erzählt sie Linksruck, „deswegen bekommen meine Kinder auch von der ‚Arche’ Essen“. Karin spart an allen Ecken und Enden, zuerst bei sich selbst. Auf die Frage, wann sie das letzte Mal in Urlaub gefahren sei, seufzt sie, schaut fragend eine Freundin an. Erst nach längerem Überlegen erinnert sie sich: „Da war ich 16 Jahre alt“ – das war vor 18 Jahren.

Seit Hartz IV ist für Karin „alles noch schwerer geworden. Mein Geld reichte schon vorher nicht, und jetzt kriege ich auch kein Kleidergeld für die Kinder mehr.“ Denn wegen der Arbeitsmarkt„reform“ sind Leistungen weggefallen, die vorher durch die Sozialhilfe gedeckt waren. Nichtstaatliche Einrichtungen wie die „Arche“ werden sich deshalb vermehrt darum kümmern müssen, dass Kinder trockene Füße haben und nicht frieren. Bereits bei der Einweihung ist ein ganzer Raum mit Winterjacken, Gummistiefeln, Schuhen, Hosen und Pullovern angefüllt. Hier können sich Bedürftige kostenlos einkleiden.

Pastor Bernd Siggelkow, Leiter der Einrichtung, verweist auf die jüngsten Armutsstudien. Zum Beispiel die kürzlich veröffentlichte des UNO-Kinderhilfswerkes: Laut Unicef lebt in Deutschland jedes zehnte Kind in Armut. In der Bundeshauptstadt ist es sogar jedes vierte. „Es gibt immer mehr Familien, die ihre Kinder nicht mehr versorgen können. Von Woche zu Woche kommen mehr zu uns“, erklärt der Pastor. Bereits seit 1995 leitet er eine „Arche“ im Stadtteil Hellersdorf. Seit Hartz IV ist es dort noch voller geworden.

Karin Reschke glaubt nicht, dass von der Bundesregierung Hilfe zu erwarten ist: „Weihnachten habe ich Kanzler Schröder einen Brief geschrieben. In dem stand, dass ich die Tränen meiner Kinder trocknen muss, während bei ihm die Gans auf den Tisch kommt. Wir konnten uns kein Weihnachtsesssen leisten. Als Antwort hat er mir wertlose Informationsbroschüren geschickt.“ Wirklich hilfreich wäre es, wenn Rot-Grün „die Kürzungen rückgängig machen würde, alle, sofort!“

von Frank Eßers (E-Mail)

Linksruck Nr. 195, 16. März 2005

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