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Sind die Menschen egoistisch?

Niemand wird als Egoist geboren. Menschen können sich für andere aufopfern oder egoistisch sein. Sie sind geizig oder großzügig.
Die Menschen werden von der Gesellschaft geprägt, in der sie leben. Für die amerikanischen Indianer war es „unnatürlich“, Land zu besitzen. Für die Landbesitzer im 18. Jahrhundert war das hingegen das wichtigste Menschenrecht.
Für traditionelle Hindi ist es normal, dass ihre Eltern den Ehepartner für sie aussuchen, während die meisten Menschen in Europa das als unterdrückend empfinden würden. Es gibt keine „Natur des Menschen“, die generell über unsere Moralvorstellungen oder unser alltägliches Handeln bestimmt.

Wir alle haben Grundbedürfnisse, die wir befriedigen wollen: Wir brauchen Luft, Wasser, Nahrung, aber auch Kleidung, Schutz und Wärme, um zu überleben. Dafür arbeiten Menschen seit Jahrtausenden zusammen.
Anders als Tiere sind wir in der Lage, gezielt Dinge herzustellen, die wir zum Leben brauchen. Seit ihrer Entstehung vor über 2 Millionen Jahren lebten die Menschen die meiste Zeit in einem Ur-Sozialismus zusammen. Sie lebten in Gruppen und sorgten gemeinsam dafür, dass sie überleben konnten.
Diese Ur-Gesellschaft war eine Mangelgesellschaft. Weil kein Überschuss an Lebensmitteln oder Kleidung hergestellt werden konnte, häufte niemand Besitz an.

In der heutigen kapitalistischen Gesellschaft gibt es eine Überproduktion. Bei gleicher Verteilung, wäre für alle Menschen genug da.
Wir bestimmen aber nicht mehr selbst darüber, wann und wie wir etwas herstellen. Wichtige Produktionsmittel wie Fabriken, Land, Maschinen und Transportmittel gehören einer kleinen Minderheit.
Die meisten Menschen sind gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Die Bosse und Konzerne, die über diese Arbeitszeit bestimmen, müssen außerdem untereinander konkurrieren. Deshalb wollen sie, dass ihre Angestellten so viel Profit wie möglich erarbeiten.
Das führt dazu, dass die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden. Gleichzeitig nimmt der Kapitalismus immer mehr Menschen die Möglichkeit, überhaupt zu arbeiten. Wer nicht genug Profit bringt, verliert seinen Arbeitsplatz.

Das System, in dem wir leben müssen, zwingt uns dazu, egoistisch zu sein. Wir müssen mit anderen Menschen um Arbeitsplätze, Kita-Plätze, gute Noten und viele andere Dinge konkurrieren.
Auch unsere Freizeit wird vom Kapitalismus geprägt. Wer abends von der Arbeit nach Hause kommt, hat oft nicht mehr genug Energie, um Zeit mit seiner Familie oder Freunden zu verbringen. Viele Menschen bleiben deshalb den Abend vor dem Fernseher.
Auch hier lernen wir, dass wir gegeneinander konkurrieren sollen. Fernseh-Shows wie „Big Brother“ handeln davon, dass sich Menschen in einen Container sperren lassen, aus der jede Woche derjenige rausgeworfen wird, der den Zuschauern am wenigsten gefällt.
Auch beim Sport geht es um Konkurrenz. Was zählt, sind Siege und Rekorde. Die bekanntesten Sportler bekommen außerdem Millionengehälter, während andere nebenher arbeiten müssen, um überleben zu können. Es geht nicht mehr darum, gemeinsam Spaß zu haben.

Kleinen Kindern ist es hingegen egal, wer beim Spielen den Ball fallen lässt. Punkte werden gar nicht gezählt.
Auch haben kleine Kinder oft Spaß am Lernen. Sie sind neugierig und stellen viele Fragen. Spätestens in der Schule wird den Kindern das Konkurrenzdenken beigebracht. Durch den Druck, gute Noten zu schreiben, wird ihnen dieser Spaß genommen.
Die Konkurrenz um die besten Noten wird später zur Konkurrenz um den Arbeitsplatz. Trotzdem erleben wir auch von Erwachsenen Solidarität und Menschlichkeit. Beispielsweise haben allein die Menschen in Deutschland nach der Flutkatastrophe in Südasien mehr als 500 Millionen Euro für die Opfer gespendet.

Solidarität erleben wir auch in gemeinsamen Kämpfen, wenn wir zusammen gegen Krieg auf die Straße gehen oder für soziale Gerechtigkeit demonstrieren. Auch bei Streiks kämpfen Arbeiter oft dafür, dass ihre Kollegen ihre Jobs behalten können, obwohl sie ihren eigenen Arbeitsplatz dabei gefährden.
Das sind Situationen, die erahnen lassen, dass sich die Menschen in einer anderen Gesellschaft anders verhalten würden: In einer Welt, die im Interesse der Menschen und nicht der Wirtschaft funktioniert, müsste niemand ums Überleben kämpfen und niemandem würde beigebracht egoistisch zu sein.

von Stefan Bornost (E-Mail)

Linksruck Nr. 196, 30. März 2005

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