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Krieg der Welten:

Sind Fremde böse?

Früher zeigte Regisseur Steven Spielberg Außerirdische als friedliche Wesen. In „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ (1977) und „E.T.“ (1982) können sich die Menschen mit den Außerirdischen verständigen und dadurch ihren Verstand und ihre Herzen beflügeln. Das schönste Bild dafür fand Spielberg, als er den kleinen Elliot mit dem Außerirdischen E.T. auf einem Fahrrad am leuchtenden Vollmond vorbeifliegen ließ.

In Spielbergs neuem Film „Krieg der Welten“ wollen die Außerirdischen hingegen die Menschen ausrotten. Warum sie das tun, weiß niemand.

Tom Cruise spielt den New Yorker Hafenarbeiter Ray, der wie alle anderen vom Angriff der Außerirdischen überrascht wird. Mit seinen Kindern flieht er zu seiner Ex-Frau nach Boston, in ständiger Angst, von den dreibeinigen Mordmaschinen der Außerirdischen pulverisiert zu werden.

Ray erkennt, dass niemand etwas gegen die Angreifer tun kann. Sein einziges Ziel ist, seinen Kindern das Leben zu retten.

Währenddessen bekämpfen sich die Menschen gegenseitig, um die letzten Plätze auf einem Flüchtlingsschiff oder das einzige fahrtüchtige Auto. Als ein in Flammen stehender Zug an wartenden Menschen vorbeirast, ist das ein Symbol für die zerfallende Gesellschaft.

„Krieg der Welten“ ist ein düsterer Film. Weder kann Ray seine familiären Probleme lösen, noch wissen die Menschen, wie sie ihre Ausrottung verhindern. „Seit dem 11. September 2001 schaue auch ich nicht mehr so unbefangen in den Himmel“, sagte Spielberg.

Doch sein Film zeigt keine Geschichte über US-Präsident Bushs angeblichen „Krieg gegen den Terror“. Die US-Armee hat gegen die Außerirdischen keine Chance. Panzer, Hubschrauber und Soldaten gehen in Sekunden in Flammen auf.

Das ist beachtlich, weil Außerirdische in Hollywood-Filmen jahrzehntelang als Symbole für kriegerische Staaten dargestellt wurden, während die US-Armee angeblich die Freiheit der Menschen verteidigte.

Solche Filme wurden erstmals in den 50er Jahren gedreht. Durch das atomare Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion war die Gefahr der Vernichtung aller Menschen damals noch größer als heute.

Rechte Politiker wie Senator McCarthy missbrauchten damals die Angst der Menschen vor dem Krieg, um alle Linken zu verfolgen, weil sie angeblich „Kommunisten“ waren. Das war damals verboten.

Einer der ersten Filme, der die Angst vor einer „fremden Macht“ zu Geld machte, war 1951 „Das Ding aus einer anderen Welt“. Arktis-Forscher befreien einen Außerirdischen, der im Eis eingefroren war. Dieser tötet zum Dank einen Forscher nach dem anderen. Zwar bringen sie „das Ding“ am Ende zur Strecke. Doch die Gefahr durch fremde Wesen bleibt. „Beobachtet den Himmel“, fordert der Film am Ende von seinen Zuschauern.

Jahrzehntelang blieben Außerirdische von Natur aus böse. Mit ihnen konnte es keinen Frieden geben. Sie mussten vernichtet werden. Das gleiche behauptete die US-Regierung über die Sowjetunion.

Viele Regisseure meinten „die Kommunisten“, wenn sie Filme über Außerirdische machten. Der Ostblock sollte den Amerikanern so fern und bedrohlich erscheinen wie ein anderer Planet, ihre Bewohner so fremd wie ein schleimiges Wesen aus einer anderen Galaxie.

Spielbergs Filme „Die unheimliche Begegnung der Dritten Art“ und „E.T.“ brachen mit dieser Tradition. Während US-Präsident Reagan die Sowjetunion zum „Reich des Bösen“ erklärte, war Spielbergs Idee, es gäbe auch außerhalb der USA interessante Lebewesen in der Filmindustrie ungewöhnlich.

„Krieg der Welten“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von H.G. Wells von 1898. In dem Buch fallen die Außerirdischen über London her. Wells, der mit dem Sozialismus sympathisierte, wollte damit die britische Kolonialpolitik angreifen. Der Leser sollte nachempfinden, wie es ist, wenn mörderische Besatzer über ein Land herfallen.

Auch der Film vermittelt an seinen besten Stellen ein beklemmendes Gefühl von Ohnmacht und Grauen angesichts der extremen Gewalt des Krieges. Oft sind die Angreifer nicht zu sehen und der Film konzentriert sich auf das Leiden der Menschen in einem Krieg, den sie nicht wollen und nicht verstehen.

von Daniel Illger (E-Mail)

Linksruck Nr. 203, 6. Juli 2005

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(2001 mal gelesen)

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