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Australien: Den Bossen wehtun

Kommentar: Howard = Merkel = Schröder

Wie Howard in Australien, will die FDP in Deutschland die Gewerkschaften zerschlagen. Ihr Vorsitzender Westerwelle behauptete, Gewerkschaftsfunktionäre seien „die wahre Plage in Deutschland“. Für die Entmachtung der Arbeitervertreter wolle er „auch Straßenschlachten in Kauf nehmen“.
Die FDP will die Gewerkschaften zerstören, damit sich die Menschen nicht gegen die Angriffe der Politiker und Bosse auf ihre Löhne und Jobs wehren können. Nur den Konzernen würde die Zerschlagung der Gewerkschaften nutzen.
Die Australier zeigen, dass die Menschen sich gemeinsam wehren können. Mehr als 200.000 haben am 1. Juli gegen die unsozialen Pläne von Premierminister Howard protestiert.
In vielen Betrieben haben Gewerkschafter Streiks organisiert. Die meisten Australier unterstützen den Kampf der Gewerkschaften gegen die geplanten Gesetze. Die Menschen wissen, dass sie sich gemeinsam dagegen wehren können, dass Howard Politik für höhere Profite der Wirtschaft macht.
Sowohl SPD als auch CDU werden nach den Wahlen die gleiche neoliberale Politik machen wie Howard. Schon jetzt diskutieren Gewerkschafter darüber, wie sie sich wehren können.
Auch in Deutschland müssen die Gewerkschaften gemeinsam mit sozialen Bewegungen Proteste aufbauen, um gegen die Politik für die Bosse zu kämpfen.

55 Arbeiter von Kemalex Plastics streiken seit dem 27. Juni im australischen Victoria. Kemalex stellt Plastikteile für Konzerne wie Bosch her.

Die meisten Angestellten sind Ausländer, die für Billiglöhne arbeiten müssen, weil sie keine andere Stelle bekommen. Kemalex zahlt ihnen den gesetzlichen Mindestlohn von 7,40 Euro pro Stunde.

Jetzt will das Management die Angestellten als Scheinselbstständige arbeiten lassen, damit sie ihre soziale Absicherung allein bezahlen müssen und keinen bezahlten Urlaub bekommen. Dagegen haben die Arbeiter am 30. Juni einen Protesttag organisiert.

„Ich denke, jeder sollte sich am 30. Juni solidarisch zeigen und mit uns streiken. Darum geht es bei diesem Streik“, meinte eine Kollegin. Auch die LKW-Fahrer, die die Produkte ausliefern, streikten aus Solidarität.

Viele andere Australier müssen für immer weniger Geld immer länger arbeiten oder bekommen keinen sicheren Job. Die rechte Regierung hat im Juni Gesetze vorgeschlagen, die Unternehmen mit weniger als 100 Angestellten erlauben, diese jederzeit ohne Begründung zu kündigen.

Damit sich die Arbeiter nicht gegen Entlassungen wehren können, soll den Gewerkschaften verboten werden, im Betrieb neue Mitglieder zu gewinnen. Wer es trotzdem tut, soll ins Gefängnis geworfen werden. Dadurch würden die Arbeiterorganisationen mit der Zeit zerstört.

Hunderttausende haben in den letzten Wochen dagegen demonstriert. 62 Prozent der Australier denken, dass die neuen Gesetze die Löhne drücken, 64 Prozent glauben, dass Arbeitsplätze dadurch unsicherer werden und 69 Prozent sagen, dass die Menschen am Arbeitsplatz mehr Angst haben müssen.

„Diese Bastarde machen uns das Leben schwer“, schimpft der Manufakturarbeiter Pete Scray aus Brisbane. „Also müssen wir gewinnen, bevor die Gesetze vom Senat abgestimmt werden. Es gibt keinen anderen Weg, und es macht keinen Sinn, bis zur nächsten Wahl zu warten.“

Die Australier sind wütend auf Premierminister Howard. Viele haben ihn gewählt, weil sie von der sozialdemokratischen Vorgängerregierung enttäuscht waren. Unter ihr wurden Anfang der 90er Jahre immer mehr Menschen arbeitslos und die Löhne sanken.

Seit Howard 1996 Premierminister wurde, droht immer mehr Menschen die Entlassung, obwohl die Arbeitslosenquote offiziell mit 5,2 Prozent so niedrig ist wie seit 26 Jahren nicht mehr. „Die Hälfte der Jobs in Australien sind heute Kurzzeitjobs“, erzählt eine Australierin. „Arbeitgeber müssen den Leuten kein Krankengeld zahlen, kein Urlaubsgeld. Es ist viel einfacher, Leute mit Zeitverträgen wieder loszuwerden.“

Gewerkschafter Laki Philips aus Melbourne will die Regierung mit Streiks bekämpfen. „Wir müssen den Bossen weh tun, damit sie Howard angreifen und fordern, dass er seine Angriffe stoppt“, meint er.

von Sarah Nagel (E-Mail)

Linksruck Nr. 204, 20. Juli 2005

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