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Eine „6“ für die Schule

Die Zeiten, wo man mit einem Realschulabschluss Bürokaufmann werden konnte, sind vorbei. Arbeitgeber verlangen meistens Fachhochschulreife, oft auch Abitur.

Doch diese Abschlüsse sind für Kinder aus ärmeren Familien kaum zu erreichen. Schüler mit reicheren Eltern haben eine viermal höhere Chance, das Gymnasium zu besuchen und Abitur zu machen. Das geht aus der neuen Pisa-Studie hervor, die international die Leistungen von Schülern misst.

Seit der ersten Studie 2000 ist der Bildungsvorsprung von Schülern aus der Oberschicht sogar deutlich gewachsen. Weil das deutsche Schulsystem nach der Grundschule aussiebt, bleibt schlechteren Schülern die nötige Förderung durch die Schule verwehrt. Deshalb ist in Deutschland der Geldbeutel der Eltern besonders entscheidend.

Der bayerische Ministerpräsident Stoiber hat seine Bildungspolitik gelobt, weil Schüler aus Bayern bei Pisa besser abschnitten als aus anderen Bundesländern. Doch in Bayern ist die Ungerechtigkeit besonders groß: Hier wird noch härter ausgesiebt und Schüler aus reicheren Familien haben sogar sechsfach höhere Chancen, das Gymnasium zu besuchen und Abitur zu machen.

„Dass sich diese Schieflage seit dem ersten Pisa-Bericht weiter verstärkt hat, macht deutlich, wie notwendig eine Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem ist“, sagt die Linkspartei-Abgeordnete Sevim Dagdelen. Ulrich Thöne, der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, erklärte zur Pisa-Studie: „Der Ausbau der Ganztagsangebote und der frühkindlichen Bildung muss zügig voran getrieben werden.
Gleichzeitig sollte sich Deutschland jetzt so schnell wie möglich auf den Weg zu einem integrativen Schulsystem nach dem Vorbild der skandinavischen Länder machen. Jedes Kind soll seine Talente bestmöglich entwickeln können.“ Die GEW fordert außerdem, dass der Staat mehr Geld für Bildung bereitstellt, statt bei Kindergärten, Schulen und Universitäten zu kürzen.

Schweden hat in der Pisa-Studie gut abgeschnitten. Dort besuchen 99 Prozent der Schüler zunächst neun Jahre die Gesamtschule. Danach gehen 90 Prozent aufs Gymnasium. Etwa 70 Prozent der Schüler machen Abitur. In Deutschland sind es nur 32 Prozent.

von Frank Eßers (E-Mail)

Linksruck Nr. 210, 9. November 2005

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