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Rauswurf mit Festakt

Familie Aydin lebt seit 17 Jahren in Berlin und ist ein „Musterbeispiel“ für „gelungene Integration“, wie die Medien betonen. Die 17-jährige Hayriye ist kürzlich von Bundespräsident Köhler empfangen worden. Er hat ihr ehrenamtliches Engagement bei einem Projekt gegen Antisemitismus gewürdigt.

Alle Mitglieder der Familie sprechen gut deutsch. Die Kinder haben eine gute Ausbildung, sind Klassensprecher oder offizielle Streitschlichter an ihrer Schule.

Ihr Vater hat einen deutschen Führerschein gemacht und könnte am 17. April bei einer Spedition anfangen. Könnte – wenn die Behörden den Asylantrag der Familie nicht abgelehnt hätten. Dadurch darf Herr Aydin nicht arbeiten.

Jetzt droht fast allen Familienmitgliedern die Abschiebung. Drei Töchter, darunter Hayriye, dürfen die Schule beenden, dann müssen auch sie Deutschland verlassen.

Der Vater ist 1989 mit der Familie nach Niedersachsen geflohen, weil er in der Türkei gefoltert wurde. Die Narben sieht man noch heute. Sein einziges Verbrechen war, Kurde zu sein. Denn der türkische Staat unterdrückt Kurden, weil viele ein freies Kurdistan in der Osttürkei fordern.

In Deutschland versuchte der türkische Geheimdienst, Herrn Aydin zur Mitarbeit zu zwingen. Als die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) davon erfuhr, entführte sie seine Tochter, um ihn von der Unterstützung des Geheimdienstes abzuhalten.

Wieder musste die Familie fliehen, diesmal nach Berlin. Dort gab sich Herr Aydin als Libanese aus, um die Familie vor weiterer Verfolgung zu schützen. Als die Behörden vor zwei Jahren herausfanden, dass Herr Aydin kein Libanese ist, lehnten sie seinen Asylantrag ab.

„An seiner Stelle hätte jeder so gehandelt“, sagt Svenja Pelzel, die eine Protestkampagne gegen die Abschiebung der Familie organisiert. Trotzdem will der Berliner SPD-Innensenator Körting die Familie Aydin abschieben, weil die Angabe einer falschen Identität ein Abschiebegrund ist.

Seit 2004 wird das Aufenthaltsrecht der Familie jeweils für einen Monat verlängert. Jedes mal mussten die Aydins Angst haben, dass die Behörden ihnen den Aufenthalt verweigern. Jetzt ist es passiert.

von Frank Eßers (E-Mail)

Linksruck Nr. 217, 29. März 2006

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