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Kampf um 35-Stunden-Woche

- Ostmetaller streiken -

Billiglohnzone Ost

Die Bosse nutzen Ostdeutschland als Billiglohnzone. Darum lassen sie die Arbeiter in den ostdeutschen Bundesländern länger arbeiten als in den westdeutschen, während sie ihnen gleichzeitig weniger Lohn zahlen. Eine Billiglohnzone im Osten übt Druck auf die Löhne und Arbeitszeiten im Westen aus: Dort können die Bosse damit drohen, in den Osten abzuwandern. Für die Bosse ist die Arbeitslosigkeit kein Problem, sondern ein Mittel, um Kosten zu senken. In der ostdeutschen Industrie verdienen Arbeiter seit 1995 rund ein Drittel weniger als im Westen. Während ihre Löhne so niedrig blieben, stieg ihre Produktivität rasant: 1995 lag sie noch halb so hoch wie im Westen, heute liegt sie bei zwei Dritteln. Von diesem Zuwachs haben die Bosse nichts an die Arbeiter weitergegeben. Eine Folge ist, dass die Lohnstückkosten im Osten im Vergleich zu denen in den westlichen Bundesländern ständig sinken. Die Lohnstückkosten bezeichnen die Arbeitskosten pro hergestellter Einheit. Niedrige Lohnstückkosten bedeuten, dass die Bosse wenig von den Werten, die die Arbeiter schaffen, an sie weitergeben.
Tausende Metallarbeiter kämpfen in Ostdeutschland mit Warnstreiks für die 35-Stunden-Woche. Zurzeit lassen die Bosse die Menschen in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie drei Stunden länger pro Woche arbeiten als im Westen, wo die 35-Stunden-Woche gilt.
Die IG Metall hatte Anfang des Jahres den Arbeitszeit-Tarifvertrag fristgerecht gekündigt. Die Bosse weigern sich nun, die Arbeitszeit der im Westen anzupassen.
Mehr als 80 Prozent der Arbeiter in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie sind nach einer Umfrage der IG Metall für die Arbeitszeitverkürzung. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit sehen sie darin eine Möglichkeit, mehr Jobs zu schaffen – besonders für junge Menschen.

Linksruck Nr. 154, 16. Mai 2003

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