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Iran: Studenten kämpfen nicht für Bush

Es ist nicht wahr, dass die Demonstranten für US-Präsident Bush sind. Wenn man unabhängige iranische Zeitungen liest oder mit den Menschen redet, erfährt man, dass die Studenten nicht auf die Straße gehen, um Bush zu feiern. Die Unwissenheit vieler westlicher Medien ist fast schon rassistisch.
In Teheran protestieren vor allem Studenten, die in Wohnheimen leben. Diese Studenten sind normalerweise sehr arm und kommen aus Kleinstädten und Dörfern. Die Studenten der Mittelschicht aus Teheran leben eher bei ihren Familien oder in Wohnungen in Vororten.
Die Studenten fordern, den Reformprozess zu beschleunigen, der vor sechs Jahren begonnen hat, als Ajatollah Khatami zum Präsidenten gewählt wurde.
Unter den Demonstranten sind auch religiöse Studenten. Sie fordern, dass die Menschen freier entscheiden können, ob und wie sie ihre Religion ausüben. Aber viele Aktivisten sind auch wütend über die wirtschaftlichen Bedingungen. Das kann die Proteste explosiv machen.
Im Iran studieren immer mehr Menschen, ähnlich wie in Ägypten oder Indien. 64 Prozent der Studenten sind Frauen.
Gleichzeitig werden immer mehr Studenten später arbeitslos, und alle leiden unter der hohen Inflation. In Teheran zu leben ist sehr teuer. Die Menschen sagen, sie werden in der iranischen Währung Rial bezahlt. Sie müssen selbst aber vieles in US-Dollar bezahlen, der viel mehr wert ist.
Wie in jedem Entwicklungsland sind die Menschen im Iran durchschnittlich sehr jung. Trotz der konservativen sozialen Ideologie, die das Regime in den 80ern unter Khomeini verfolgt hat, hat sich das Leben der Menschen verändert. Der Anteil der Frauen am Arbeitsmarkt liegt heute 2 Prozent höher als auf dem Höhepunkt des westlichen Einflusses unter dem Schah in den 70ern.
Die jüngsten Veränderungen im Familienrecht, die freiere Scheidungsrechte einräumen als unter dem Schah, beweisen, dass das Regime gezwungen wird, der Realität nachzugeben. Andererseits ist die Ungleichheit zwischen den gesellschaftlichen Klassen sehr groß. Das merken einfache Studenten sehr schnell, wenn sie die Kinder reicher Familien oder von Beamten sehen.
Der Lebensstandard der Armen, der Arbeiterklasse und von Teilen der Mittelschicht sinkt schnell. Diese Menschen wollen mehr Mitsprache in der Politik und sie wollen wirtschaftliche Verbesserungen. Das macht sie jedoch nicht zu Anhängern der US-Politik.
Vielmehr ist die Studentenbewegung sehr spontan entstanden. Viele Aktivisten suchen neue politische Ideen, um ihren Widerstand aufzubauen. Manche Studenten glauben, in der Religion eine Lösung zu finden.
In Ländern wie Ägypten haben islamistische Parteien großen Einfluss auf Studenten. Aber im Iran hat das Regime einen "islamischen Staat" ausgerufen. Darum befinden sich viele Studenten in einem tiefen Widerspruch, wenn sie mit religiösen Forderungen gegen das Regime auf die Straße gehen.

Linksruck Nr. 157, 1. Juli 2003

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