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Wie in Berlin

- Film "Ten" -

Abbas Kiarostami ist einer der berühmtesten iranischen Regisseure, der bereits im Weltkino seine Spuren hinterlassen hat. Schon 1997 hat er für "Der Geschmack der Kirsche" die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes erhalten.

Eine besondere Einfachheit zeichnet seinen neuen Film aus. Mit nur zwei Kameraeinstellungen begleitet der Zuschauer eine iranische Photographin und Mutter auf ihren Fahrten durch die Großstadt Teheran. Zehn Kurzfilme hat Kiarostami zu einem großen zusammengesetzt. In jedem Kurzfilm ist die Hauptdarstellerin (Mania Akbari) die Fahrerin ihres Autos und nimmt Passagiere mit. Auch wenn dieser Stil große Konzentration erfordert, lohnt es sich, die Untertitel mitzulesen.
Viermal fährt ihr kleiner Sohn mit und sie streiten. Denn er will eine Mutter, die gutes Essen kocht und ihn nicht wegen ihrem Job immer warten lässt. So erfährt der Zuschauer, dass sie ihren Ex-Mann des Drogenkonsums bezichtigen musste, um sich scheiden lassen zu können und dass ihr Sohn sie für egoistisch hält.
Die anderen Passagiere sind Frauen. Mal ihre Schwester, mal ihre Freundin, mal eine strenggläubige Greisin und dann eine Prostituierte. Immer in einer anderen Rolle Mutter, Schwester, Freundin hält die Hauptdarstellerin den Film zusammen. Sie sucht nach Parklücken, lacht, streitet mit ihrem Sohn und macht ihrer Freundin Mut.
Abbas Kiarostami bringt seinen Film in einer politischen Situation heraus, wo die US-Regierung einen "Kreuzzug" gegen "das Böse" führt. Die gesamte Welt schaut auf dieses Land, dass uns von den westlichen Regierungen als finstere, rückständige Gesellschaft im Gegensatz zum "zivilisierten" Westen präsentiert wird.
So sind die Dialoge für deutsche Zuschauer überraschend, gerade weil die Themen so vertraut sind. Man beobachtet wie Frauen in einer modernen Welt versuchen den Beruf und die Ansprüche, die eine Familie an sie stellt, unter einen Hut zu bringen. Wie sie über Liebe, Sex, Hoffnungen und Geburtstagsgeschenke sprechen. Frauen, die über den Straßenverkehr schimpfen und sich überlegen warum es ihnen ganz gut tut, ins Mausoleum zu gehen und in Einsamkeit zu beten.
Im seinem Film zeigt Kiarostami, dass Frauen im Iran Auto fahren, lachen und weinen, lieben und hassen genauso wie im Westen. Man könnte diesen Film auf den Straßen Berlins oder einer anderen Metropole drehen und könnte trotzdem fast den gesamten Inhalt der Dialoge übernehmen. Das ist die große Stärke dieses Films, welcher die Vorurteile in Deutschland von Menschen im Iran wieder gerader rückt. Doch eben diese Stärke erlaubt es dem Regisseur nicht mehr, die besonderen Bedingungen der iranischen Gesellschaft zu zeigen.
Wer also etwas über die Kultur, Religion, Armut oder Reichtum im Iran erfahren möchte, der ist darauf angewiesen sich einen anderen Film oder ein Buch zu Ergänzung heranzuholen.

von Monika Krala (E-Mail)

Linksruck Nr. 158, 15. Juli 2003

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