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Antreten zum Laubfegen!

Bernhard ist arbeitloser Soziologe und sucht händeringend nach Arbeit. Nach unzähligen erfolglosen Bewerbungen hat er einen Umschulungslatz zum Datenbankadministrator gefunden. Die Chancen auf einen Job stehen gut: 70 Prozent der Umschulungsabsolventen erhalten einen Arbeitplatz. "Anstatt dass mir das Arbeitsamt den Kurs schnell genehmigt, erhalte ich vom Neuköllner Sozialamt einen Brief mit der Aufforderung, mich zum Laubfegen zu melden. Das verstehe ich nicht. Ich habe doch schon einen Umschulungsplatz. Der Kurs beginnt am 3. November. Aber bisher habe ich noch keine Genehmigung, den Kurs zu beginnen."
Während der Berliner Senat bei den Gärtnern im öffentlichen Dienst spart, zwingen die Sozialämter Arbeitslose, deren Arbeit für Billiglohn zu tun: "Ich erhalte 1,50 Euro Stundenlohn als so genannte Aufwandsentschädigung", sagt Bernhard und zeigt Linksruck den Brief vom Sozialamt.
Der Bereich Landschaftspflege sei durch den Berliner Senat "krankgeschrumpft worden", sagt eine Gewerkschaftssekretärin vom verdi-Landesbezirk gegenüber Linksruck. Beim Gartenbauamt Tempelhof-Schöneberg zum Beispiel sind seit 1990 die Hälfte der Arbeitsplätze vernichtet worden. Sämtliche Aufgaben werden von nur noch 200 fest Angestellten bewältigt, und "es werden von Jahr zu Jahr weniger", gibt die dortige verdi-Betriebsgruppe bekannt.
Zudem soll das Gartenbauamt privatisiert werden. Dagegen haben Anfang September die betroffenen Arbeiter protestiert. Eine Privatisierung würde die Vernachlässigung der Grünanlagen verschlimmern. Sie dient dem Senat "zur Tarnung weiterer Sparmaßnahmen", befürchtet verdi.
"Es darf doch nicht sein, dass Sozialhilfeempfänger geknechtet werden, während bei uns gespart wird", erklärt ein Personalrat vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg gegenüber Linksruck. Bernhard sieht das genau so: "Ich will nicht, dass durch meinen Zwangsdienst andere arbeitslos werden."

von Frank Eßers (E-Mail)

Linksruck Nr. 164, 29. Oktober 2003

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