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Unsere Besten: Frauen, die für Freiheit kämpften

Louise Otto-Peters (1819-1895)


Louise Otto-Peters ist von ihren Nachfolgerinnen "die Lerche der deutschen Frauenbewegung" genannt worden. Unter dem Decknamen Otto Stern verfasst sie sozialkritische Romane und Gedichte. Vor allem ihr Roman "Lieder eines Mädchens" wurde viel gelesen und gelobt. In ihrem Gedicht "Klöpplerinnen" zeigt sie Mitgefühl für die Leiden der Heimarbeiterinnen ihrer Zeit.
Otto-Peters ist die erste Frau in Deutschland, die seit 1840 volle soziale und politische Gleichberechtigung für alle Frauen fordert. Ihr ganzes Leben kämpft sie für diese Ziele mit zahlreichen Reden und Schriften, mit denen sie die damalige Frauenbewegung entscheidend prägt.
Otto-Peters tut dies in einer Zeit, in der die Forderungen der Frauenbewegung verhöhnt, verfemt und mit Schmutz beworfen werden. Gesetze und Gerichte lehnen jede Gleichstellung der Frauen ab. Den Kampf um politische und rechtliche Gleichstellung verbindet Otto-Peters mit dem Ziel der "Hilfe für die ärmeren Schwestern", deren Leiden sie anklagt. In der Revolution von 1848 gründet Otto-Peters die erste deutsche "Frauenzeitung" und 1865 zusammen mit August Schmidt den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF). Der ADF hat zunächst nur einige tausend Mitglieder. Der Krieg gegen Frankreich 1870 und 71 wirft den Verein zurück, weil seine pazifistische Strömung den Krieg scharf kritisiert. Um 1890 hat der ADF maximal 12.000 Anhänger. Dass die leidenden "ärmeren Schwestern" sich selbst organisieren und als Teil der Arbeiterbewegung politisch aktiv werden können, bleibt Otto Peters jedoch bis zum Schluss ihres Lebens ein fremder Gedanke.


Clara Zetkin (1857-1933)


"Arbeitstage von 13, ja 16 und 18 Stunden, neben denen die verheirateten Frauen die Familie versorgen mussten; Löhne, die nicht mehr als zwei Drittel, ja die Hälfte der Männerlöhne ausmachten; kaum ein Schutz für Mutter und Kind. Das waren die Arbeiterinnen der Konfektionsindustrie. Sie lebten in einer Hölle."
So beschreibt Clara Zetkin in ihrer Zeitschrift Die Gleichheit die Lage der deutschen Arbeiterinnen am Ende des 19. Jahrhunderts. Zetkin kämpft für ein besseres Leben der Mehrheit der Frauen.
Clara Zetkin, 1857 in Sachsen geboren, organisiert sich früh im SPD-Vorgänger SAP. Kanzler Bismarcks Sozialistengesetze zwingen die SPD 1878 in die Illegalität. Zetkin geht ins Ausland.
1891 siedelt sie nach Stuttgart über. Zetkin platzt in die Behäbigkeit der dortigen Sozialdemokratie und hat es schwer, als Frau akzeptiert zu werden. Ihre Chance ist gekommen, als ihr die Redaktion der Gleichheit angeboten wird, eine neue Zeitung für die Interessen der Arbeiterinnen.
Mit der Gleichheit kämpft Zetkin für die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Arbeiterinnen und aller Frauen. Damit verbindet Zetkin das Recht auf gleiche Löhne bei gleicher Arbeit, auf gewerkschaftliche Organisierung und Interessenvertretung sowie staatliche Kinderbetreuung. Der Internationale Frauentag, der 1911 erstmals gefeiert wird, geht auf ihre Anregung zurück.
Zetkin bleibt bis zu ihrem Tod Revolutionärin. Als 1914 die SPD-Führung den Ersten Weltkrieg unterstützt, kämpft Zetkin in der Gleichheit gegen die Parteiführung.
1917 verlässt Zetkin die SPD, um in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) einzutreten. Knapp zwei Jahre später verlässt sie die USPD und geht in die KPD – mit folgender Begründung: "Fast seit vierzig Jahren kämpfe ich für das sozialistische Ideal. So alt ich bin – will ich doch die Zeit in der ich noch wirken kann, dort stehen, dort kämpfen, wo das Leben ist."


Käthe Kollwitz (1867-1945)


Käthe Kollwitz kommt 1867 in Königsberg zur Welt. Sie studiert 1885 und 86 in Berlin an der Künstlerinnen-Schule, später in München. 1891 siedelt Kollwitz nach ihrer Heirat mit Karl Kollwitz nach Berlin über, wo ihr Mann sich als Kassenarzt im proletarischen Norden niederlässt.
Angeregt durch die Uraufführung von Gerhart Hauptmanns sozialkritischem Theaterstück "Die Weber" arbeitet sie vier Jahre an der Grafikfolge des "Weberaufstandes". Dem folgt ein Grafikzyklus über den Deutschen Bauernkrieg. Der Erste Weltkrieg mit dem Tod ihres Sohnes Peter verstärkt Kollwitz’ Willen, mit ihrer Kunst den Kampf gegen das Leiden der Menschen auszudrücken. In den Jahren des Kriegs und des Todes thematisiert sie das Schicksal der Mütter, die um das Leben ihrer Kinder ringen und die ermordeten Söhne beweinen.
Krieg und Revolution bestärken Kollwitz in ihren sozialistischen Ansichten. Auch in der Weimarer Republik steht die Künstlerin auf der Seite der Arbeiter, der Notleidenden und Unterdrückten. Für die Internationale Arbeiterhilfe entwirft Kollwitz das Plakat "Deutschlands Kinder hungern". Für streikende Arbeiter entsteht das berühmte Plakat "Brot". Arbeitslosigkeit, Hunger, Kindersterben und Krieg sind immer wiederkehrende Motive in Kollwitz’ Werken.
Als Antifaschistin muss sie 1933 nach der Machtergreifung der Nazis aus der preußischen Akademie der Künste austreten. Ihre Lithografien, Zeichnungen, Holzschnitte und Plastiken sind Mahnmale tiefster Betroffenheit und kämpferischer Menschlichkeit.

Rosa Luxemburg (1871-1919)


Rosa Luxemburg wurde 1871 in Zamosc in Polen geboren. Mit 16 wird sie in der verbotenen sozialistischen Bewegung aktiv. 1889 muss Luxemburg vor der Polizei aus Polen fliehen. Sie studiert Mathematik, Naturwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in der Schweiz.
1898 geht Luxemburg nach Deutschland, um im Zentrum der weltweiten Arbeiterbewegung aktiv zu sein. In der SPD beginnt gerade ein großer Streit. Ein Parteiflügel um Eduard Bernstein behauptete, der Kapitalismus würde immer zahmer und dadurch für die Arbeiter immer annehmbarer. Die SPD solle sich auf die Arbeit im Parlament beschränken und auf die Mobilisierung der Arbeiter und auf eine revolutionäre Machtergreifung verzichten.
Luxemburg stürzt sich in den Kampf gegen diese Auffassung. Nach ihrer Meinung ist die SPD keine Partei, die stellvertretend für die Arbeiter handeln soll. Luxemburg will vielmehr einen Sozialismus von unten: Die Selbstaktivität der Menschen ist Grundlage ihrer Politik.
1914 beginnt Deutschland den Ersten Weltkrieg. Die SPD-Führung unterstützt den Krieg und den deutschen Kaiser. Doch eine Gruppe von Sozialdemokraten kämpft gegen den Krieg und wird dafür ins Gefängnis geworfen – unter ihnen Rosa Luxemburg.
Am 9. November 1918 beginnen Soldaten und Arbeiter eine Revolution mit der sie den Kaiser verjagen. Endlich kann Luxemburg an der Revolution teilnehmen, für die sie ihr ganzes Leben gearbeitet hat.
Doch sie kann nicht lange Einfluss auf die Ereignisse nehmen. Am 15. Januar 1919 ermorden rechtsradikale Soldaten im Auftrag der SPD-Regierung Rosa Luxemburg. In einem Nachruf schreibt Clara Zetkin: "Sie war das Schwert, die Flamme der Revolution."

Dr. Gertrud Luckner (1900-1995)


Dr. Gertrud Luckner wird 1900 in England geboren, lebt aber seit früher Kindheit in Deutschland. Sie studiert Volkswirtschaft und spezialisiert sich auf sozialem Gebiet auf die englische Selbsthilfebewegung.
Dr. Luckner gehört vor 1933 zu Pater Stratmanns Friedensbund der deutschen Katholiken. Seit 1933 unterstützt sie die Arbeit des katholischen Fürsorge-Verbandes Caritas in Feiburg. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, organisiert Dr. Luckner innerhalb der Caritas eine Kirchliche Kriegshilfestelle. Sie wird immer mehr zu einem Treffpunkt kritischer Katholiken in Freiburg, die "Nichtariern – ob sie nun christlich geworden waren oder nicht" helfen wollen. Der Motor dieser Arbeit ist eine energiegeladene Frau: Dr. Gertrud Luckner.
Zunächst schickt die Kriegshilfestelle Pakete und Geld an Deportierte in das Getto von Lodz. Später verhilft die Organisation Juden zur Flucht in die Schweiz. Dr. Luckner steht auch mit jüdischen Gruppen in Berlin und anderen Städten in Kontakt, bis sie 1943 verhaftet wird. Nach mehrmonatiger Untersuchungshaft muss Dr. Luckner ins Konzentrationslager Ravensbrück.
Krank und ausgezehrt überlebt sie das KZ und kehrt nach Freiburg in ihren alten Arbeitsbereich in der Caritas zurück. Auch nach dem Krieg setzt Dr. Luckner sich für den Abbau von Vorurteilen gegen Juden ein. Zusammen mit anderen Katholiken gibt sie die "Rundbriefe zur Förderung der Freundschaft zwischen dem alten und dem neuen Gottesvolk" heraus.

Linksruck Nr. 165, 12. November 2003

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