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Nach dem Weltsozialforum in Indien:

Ein Festival des Widerstands

Sven Giegold ist Mitglied im Koordinierungskreis von attac Deutschland.
Sven, mit welchem Gefühl kommst du aus Indien nach Hause?
Aufgewühlt. Ich bin einerseits erschlagen von der Stadt Mumbai, von den vielen Menschen und von der vielen Armut, die ich in dieser Form noch nicht erlebt habe.
Andererseits war das Forum selbst eindrucksvoll. Viele verschiedene Menschen waren beteiligt, von Leuten, die sich das Essen auf dem Gelände nicht leisten konnten, bis hin zu den Delegationen der Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs).

Die Frankfurter Rundschau hat die Teilnehmer als "Jet-Set der Bewegung" bezeichnet. War Mumbai ein Gipfel der reichen Aktivisten in einem armen Land?
Nein. Im Vergleich zu den Weltsozialforen in Porto Alegre war der Anteil der von Unterdrückung Betroffenen hier viel höher. All die Menschen, über die wir immer reden, waren da: Von vertriebenen Waldarbeitern über Betroffene von Staudammprojekten, diskriminierte Indigene und Angehörige der niedrigsten Kaste bis hin zu Frauengruppen. Mumbai war nicht von der Minderheit der Bewegungsaktivsten geprägt, sondern von dieser Mehrheit, die auf dem Gelände eine Demo nach der anderen organisiert hat. Wir hörten ständig Musik oder Sprechchöre und sahen Tänze.

Welche Themen haben im Vordergrund gestanden?
Wenn etwas im Vordergrund stand, dann die Themen, die mit Indien zu tun hatten. Dazu gehören der Zugang zu Land, zu Wasser, zu Saatgut, das Thema des Kastenwesens auch viele Frauenthemen wurden diskutiert. Sehr viele der Betroffenen haben sich positiv auf das Konzept der Menschenrechte bezogen, nicht selbstverständlich in Bewegungskreisen.

Was für Schwerpunkte sind für das kommende Jahr besprochen worden?
Die europäischen Bewegungen haben nochmal die Aktionstage gegen Sozialabbau am 2./ 3. April bekräftigt. Außerdem haben wir uns geeinigt, zusammen nach Hong Kong zu mobilisieren, wenn dort die nächste Ministerratskonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) stattfindet. Der Termin steht noch nicht fest. Außerdem gibt es in verschiedenen Ländern Initiativen gegen NATO-Basen; das war neu. Die haben das Forum auch für Absprachen genutzt.

Wie war die Beteiligung aus Deutschland?
Insgesamt waren wohl etwa 250 Menschen aus Deutschland in Mumbai. Die Beteiligung war sehr breit, von Initiativen über Gewerkschafter, Kirchen, Globalisierungskritiker, NGOs bis zu parteinahen Stiftungen. Aber es war weniger Prominenz vertreten als in den Jahren zuvor.

Was können die Teilnehmer aus Deutschland deiner Ansicht nach lernen?
Ich denke, gerade von der Mobilisierung der direkt Betroffenen können wir lernen. Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Der Teil der Bevölkerung, der in Deutschland betroffen ist, Arbeitslose oder von den Zuzahlungen Betroffene, kommt noch nicht massenhaft zu unseren Demos oder Basisgruppen. Das Sozialforum in Indien hat gezeigt, dass das geht.

von Jan Maas (E-Mail)

Linksruck Nr. 170, 4. Februar 2004

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