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Krupp Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

"Flink wie Wiesel, zäh wie Leder", vor allem jedoch "hart wie Krupp-Stahl" wollte Adolf Hitler die deutsche Jugend haben. Diese Sprichwörtlichkeit des größten deutschen Stahlkonzerns hatten sich die Krupps seit Mitte des 19. Jahrhunderts erarbeitet, vor allem durch die Aufrüstung der deutschen Armeen.

1914 beschäftigte Krupp in Essen 43.160 Arbeiter über 60 Prozent der Essener lebten damals von und mit der Fabrik: Krupp-Stadt war 240 Hektar groß, das sind 420 Fußballfelder. Ganzer Stolz der Krupps war die "M1" sie war mit 1.000 Metern Länge die größte Maschinenhalle Europas.

Der steile Aufstieg des "Kanonenkönigs" Alfred Krupp begann 1870. Auch wegen seinen Gussstahlkanonen vernichtete die vorher kaum beachtete preußische Armee zur allgemeinen Verblüffung mit wenigen Schlägen die für weit überlegen gehaltenen Armeen des mächtigen französischen Kaiserreichs, zwang Napoleon III. zur Kapitulation und eroberte schließlich sogar die verzweifelt verteidigte Hauptstadt Paris. Die Waffen aus dem Ruhrgebiet verhalfen Preußen mit einem Schlag wieder zur Vormacht auf dem europäischen Kontinent. Wilhelm von Preußen wurde 1871 Wilhelm I., Kaiser des Deutschen Reiches.

Alfred Krupp hingegen profitierte vom kurzen Wirtschaftsaufschwung, den die französischen Reparationszahlungen ermöglichten. Bis 1874 raffte Krupp ein ganzes Imperium zusammen: Über 300 Eisenerzfelder, darunter ein besonders wertvolles bei Bilbao, mehrere große Kohlezechen im Ruhrgebiet, Stahlhütten in Duisburg und Neuwied und eine eigene Transportflotte für die Bilbao-Erze.

Gleichzeitig produzierte Krupps Waffenschmiede, vom Kaiser einmal als "vaterländische Anstalt" bezeichnet, bis zu Alfreds Tod 1887 knapp 25.000 Geschütze. Da Krupps Patriotismus jedoch nur dann glühte, wenn Profit in Aussicht stand, verkaufte er weit mehr als die Hälfte ins Ausland. Die überwiegende Mehrzahl der exportierten Krupp-Geschütze sollte eines Tages ihr mörderisches Feuer auf Preußen-Deutschland richten, es zur Kapitulation zwingen und die Herrschaft des Hauses Hohenzollern beenden, nicht aber die des Hauses Krupp.

Unter Alfreds Nachfolgern Fritz und, nach dessen Tod 1902, Gustav Krupp verdiente der Konzern viele 100 Millionen Goldmark, nach heutigem Wert Milliarden, durch die von Wilhelm II. sogenannte "Trutz- und Schutzwaffenschaukel". Sie funktionierte folgendermaßen: Zuerst bot die Firma bessere Panzerungen aus Stahl-Nickel-Legierungen an. Sobald sich alle, die zahlen konnten, damit eingedeckt hatten, kam Krupp mit einer Granate aus Chromstahl heraus, die überraschenderweise imstande war, Panzerplatten aus Nickel-Stahl zu durchbrechen. Natürlich rüsteten jetzt alle Armeen und Flotten um. Sobald der Markt gesättigt war erschien man mit einer neuen Panzerplatte, die auch dem Chromstahlgeschoss widerstand. Später gab es wieder einen neuen ultramodernen Geschosstyp, der auch die härteste Panzerung knackte.

Höhepunkt kruppscher Geschäftemacherei mit dem Tod war jedoch ein Lizenzvertrag mit dem britischen Waffenhersteller Vickers & Maxim. Der Vertrag gestattete den Engländern die Verwendung von Krupps Patent-Zeitzündern (KPZ) für 1 Shilling 3 Pence für jede abgefeuerte Granate. Vickers wiederum war so anständig, auf jeder Granate durch die Buchstaben "KPZ", deutlich zu machen, dass Krupp die Ehre gebührte.

Dies führte im 1. Weltkrieg zu allerlei Unmut. Deutsche Soldaten wollten nicht begreifen, wieso sie sich von Granaten aus der Heimat zerfetzen lassen mussten. Und viele Briten wunderten sich, dass Vickers Unsummen an die Waffenschmiede des Deutschen Reiches überwies je mehr die britische Artillerie deutsche Stellungen mit Granaten beschoss, desto höhre wurden diese Summen.

Auch in der Zeit zwischen den Weltkriegen musste die Waffenproduktion keineswegs eingestellt werden. Etwa ein Dutzend Firmen im In- und Ausland gehörten zwar offiziell nicht zu Krupp, in Wahrheit aber doch. So arbeitete der Konzern weiterhin eng mit dem Inspektionsamt für Waffen und Geräte der Reichswehr zusammen, ließ in der Sowjetunion neue Flugzeugtypen ausprobieren, baute bei Cadiz U-Boote, ließ seine besten Waffentechniker beim schwedischen Bofors-Konzern arbeiten, und in den friedlichen Niederlanden gab es ein Netz von Außenstellen und riesigen Depots mit weit über 1.000 schweren Geschützen.

Und auch als der Konzern durch die Weltwirtschaftskrise schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, hatte Gustav Krupp genügend Weitsicht, um den Weg aus der Misere zu erkennen. Als der Kölner Bankier und spätere SS-Brigadeführer Freiherr von Schröder im November 32 prominente Unterschriften sammelte für "die Übertragung der Verantwortlichen Leitung (des Staates) an den Führer der größten Nationalen Gruppe", da war es Krupp, der die Liste der Unterzeichner anführte. Nachdem sicher war, dass Krupp auf das richtige Pferd gesetzt hatte, spendete er der NSDAP kurz nach der Machtübernahme eine Million Mark.

Er hatte allen Grund, mit Hitler zufrieden zu sein, schließlich bescherte er den Krupps die größten Rüstungsaufträge aller Zeiten. Nach Massenentlassungen während der Krise zählte die Firma bei Kriegsende über eine viertel Million "Kruppianer". Die Einnahmen stiegen Ende der 30er auf über 100 Millionen Mark jährlich, es gab keine Forderungen nach Lohnerhöhung oder Arbeitszeitverkürzungen mehr, denn die Gewerkschaften waren von Hitler beseitigt worden. Man war wieder "Herr im eigenen Hause", wie Gustav Krupp es nannte. Es erschien ihm als kleinlich, dass sich seine Frau ärgerte, wenn statt der kaiserlichen Farben nun die rote Fahne mit dem schwarzen Hakenkreuz auf dem Dach der kruppschen Villa wehte.

Nachdem Gustavs Sohn Alfried, ein treuer Gefolgsmann Hitlers, das Werk übernommen hatte, entwickelte es sich in den Kriegsjahren zu einem Ort, wo der faschistische Terror voll umgesetzt wurde. Immer neue Transporte von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern, Verschleppten und KZ-Häftlingen trafen Woche um Woche in Essen ein. Nach zwölfstündiger Arbeit mussten sie in Hundehütten kriechen, um zu schlafen. Wenn die Ausgehungerten "Faulheit" oder "Trotz" an den Tag legten, wurden sie mit Lederpeitschen und Stahlruten geprügelt oder in den Käfig im Keller des Hauptverwaltungsgebäudes gesperrt. Waren die Menschen nicht mehr "arbeitsfähig", wurden nach Auschwitz "überstellt". In den konzerneigenen Heimen starben die Säuglinge, während ihre Mütter schufteten.

All diese Verbrechen geschahen nicht etwa aus Sadismus oder Rassismus der Krupps, es war einfach die profitabelste Methode, den Konzern zu leiten. Auch die bedingungslose Unterstützung Hitlers entsprang im Wesentlichen geschäftlichen Überlegungen. Schließlich wusste man, dass nur der "Endsieg" das kruppsche Imperium erhalten würde.

Nach dem Krieg wurde Alfried Krupp in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Darüber hinaus beschlagnahmte man sein gesamtes Vermögen, inklusive aller Industrieanlagen. Doch der Antifaschismus der Alliierten hatte nicht lange Bestand. Mit dem Aufbrechen des Ost-West-Konfliktes überwog der Wunsch nach einer raschen westdeutschen Wiederaufrüstung und einer mächtigen Stärkung der NATO. Auch dachte man über die Nazis und ihre industriellen Helfer, nachdem man in der Sowjetunion und China neue Todfeinde hatte, längst nicht mehr so streng.

So wurde Krupp bereits 1951, nach genau 30 Monaten, aus der Haft entlassen. Danach wurde ein bis heute völkerrechtlich einmaliger Vertrag aufgesetzt, zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, der Republik Frankreich und dem Privatmann Alfried Krupp. Der "Mehlemer Vertrag" regelte sowohl die vollständige Rückgabe des kruppschen Vermögens von 2 bis 3 Milliarden Mark, als auch dessen genaue Verteilung innerhalb der Familie.

Die Hoffnung der Westmächte, Krupp jetzt zu einer "vaterländischen Anstalt" der NATO zu machen, wurde jedoch enttäuscht. Bis heute stellte Krupp keine einzige Waffe mehr her. Alfried hatte mit untrügerischem Geschäftssinn erkannt, dass sich in der Bundesrepublik mit friedlichen Gütern am leichtesten Geld verdienen lässt. Als Krupp 1958 seinen größten Konkurrenten auf dem Stahlsektor, den Bochumer Verein, kaufte, stieg die Stahlproduktion bis 1960 auf knapp 4 Millionen Tonnen jährlich, mehr als doppelt so viel wie jemals zuvor.

Anfang der 60er Jahre belief sich Krupps Vermögen auf über 5 Milliarden Mark. Er war der reichste Mann Europas. Zu dieser Zeit traf er bei einem Skiurlaub zufällig Wolf Frank, einen der Dolmetscher der Nürnberger Prozesse. "Wie geht es diesem General Taylor?", erkundigte sich Krupp nach dem Hauptankläger der USA. Frank antwortete: "Es geht ihm gut, Herr Krupp, aber nicht so gut wie Ihnen." Krupp lachte laut auf. Es war der Witz des Jahrhunderts.<

Linksruck Nr. 108, 25. April 2001

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