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Frau als Sexobjekt

Die Spielregeln der Show sind einfach. Zehn "Girls" sind sieben Wochen lang in einen Luxusbungalow gesperrt und werden von insgesamt 50 Kameras rund um die Uhr beobachtet. Diejenige, die es dort am längsten aushält, gewinnt 100.000 Euro. Einmal pro Woche wird ein "Boy" ins Girlscamp gelassen, der eine Frau überreden soll, mit ihm vorzeitig das Haus zu verlassen. Er lebt in der "Boyzone", einem Extrabereich des Hauses, die mit einem riesigen Bett ausgestattet ist. Anscheinend sind die Boys von der Redaktion angewiesen worden, möglichst eindeutige Situationen zu schaffen, so dass diese versuchen, die Frauen möglichst oft auf ihr Lasterbett zu locken und sei es nur, um heimlich eine Zigarette zu rauchen.

Den Frauen bleibt nichts anderes übrig, als den ganzen Tag Körperpflege zu betreiben. Die eine manikürt sich die Nägel, die andere betreibt Fitnesstraining, während sich der Rest in knappen Bikinis auf der Terrasse sonnt. Bücher oder ähnliches sind nicht zu finden.

Stress

Während die Frauen rund um die Uhr von Kameras beobachtet werden, müssen sie um die Gunst der Zuschauer buhlen. Diese entscheiden nämlich, welche der Frauen am beliebtesten ist. Das ist wichtig, denn eine von den drei Unbeliebtesten wird von den sieben restlichen Bewohnerinnen wöchentlich aus dem Haus gewählt. Das nennt sich dann "Kick out".

Das Kriterium, nach dem die Zuschauer ihr "Lieblingsgirl" auswählen, ist durch die Art und Weise, wie wie "Girlscamp" vermarktet wird – mit viel nackter Haut, Hintern und Busen – schnell festgelegt. Deutlich wird das, wenn man sich das "Girlscamp-Diskussionsforum" im Internet anschaut. Dort heißt es: "Kann mir mal einer sagen, warum Julia nur auf Platz 2 liegt? Sie hat zwar ‘n paar Hasenzähne, aber das is’ doch kein Grund. Julia hat doch viel geilere Möpse, ‘n geilen Arsch und ‘ne geile Figur. Also alle für Julia voten!". Das macht klar, wie die Frauen auftreten müssen, um sich bei den Zuschauern beliebt zu machen.

Die Macher von "Girlscamp" bedienen mit dieser Show ein uraltes Klischee von der oberflächlichen, zickigen, weinerlichen Frau, die eigentlich nur für eines gut ist – das Bett. Nur dass die Frauen unter den gegebenen Bedingungen gar nicht anders sein können. Um überhaupt bestehen zu können, müssen sie den Zuschauern gefallen – indem sie sexy sind. Die permanente Konkurrenzsituation zu ihren Mitbewohnerinnen fördert Neid und Missgunst. Es ist nicht verwunderlich, dass im "Girlscamp" oft Tränen fließen, denn die Frauen müssen von sich viel mehr offenbaren, als sie es normalerweise jemals tun würden. Die Angst vor einer Abfuhr führt zu einer andauernden Stresssituation.

Kurz zusammengefasst wird im Girlscamp ein Rahmen gesetzt, der aus normalen Menschen wandelnde Klischees macht.

Flop

Girlscamp ist Teil einer neuen Form von Reality-Soaps, bei denen Sex und nackte Frauenkörper im Vordergrund stehen. Nachdem Shows wie "BigBrother" langsam die Zuschauer ausgingen, haben die Macher von RTL und Co. sich ein neues Konzept ausgedacht, um das Reality-TV wieder attraktiver zu machen.

Deshalb wurde der "BigBrother"-Container für die dritte Staffel völlig umgebaut. Es gibt eine Sauna, statt der alten Betten sind in den Schlafräumen jetzt große Liegewiesen eingebaut. Die Dusche hat keine Tür mehr und Bikinis beim Duschen sind verboten.

Ähnlich ist es auch bei der neuen Flirtshow "House of Love" (RTL). Fünf Frauen und ein Mann, oder umgekehrt, leben fünf Tage in einer Luxuswohnung. Es gibt ein großes Bett und ein große Bettdecke. Dusche und Badewanne sind offen. Kameras überall.

Doch neben der erhofften knisternden Erotik bleibt noch etwas aus – das Publikum. Ein Grund dafür ist das Überangebot solcher Shows. Zuviel von ihnen sind gleichzeitig auf den Markt gekommen. Jetzt hat keine Show genügend Zuschauer für eine ausreichende Quote. Außerdem zeigt eine gerade veröffentlichte Umfrage, dass 87% der Befragten Reality Soaps wie "BigBrother" und "Girlscamp" nicht mehr sehen wollen. Stattdessen wünscht sich jeder zweite mehr Spielfilme, und jeder fünfte mehr Sport.

Langeweile und Konkurrenzdruck erleben die meisten in ihrem Alltag genug. Dafür braucht es kein "BigBrother" und Co.

von Merle Paulsen

Linksruck Nr. 104, 21. Februar 2001

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