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Fusionsfieber

"Es ist gut, wenn ein Land angesichts der Globalisierungstendenzen große Leistungsträger hat." So kommentierte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering die Fusion von Deutscher und Dresdner Bank.

In dasselbe Horn stößt Rolf-Ernst Breuer, Chef der Deutschen Bank: "Der Finanzplatz Deutschland wird gestärkt. Das ist gut für Wachstum und Arbeitsplätze".

In den Ohren der von Entlassung bedrohten Bankangestellten klingt das wie bitterer Spott. Sie zahlen die Zeche für die Feier der Bosse – ebenso wie die Bankkunden.

Daß die Deutsche Bank von der Schaffung von Arbeitsplätzen redet, ist blanker Hohn. "Leistungsträger" ist sie allenfalls beim Stellenabbau gewesen.

Einige Beispiele: Durch Spekulation geriet der Konzern Metallgesellschaft Ende 1993 an den Rand des Ruins. Der Großaktionär Deutsche Bank unterstützte das Treiben des Metallgesellschaft-Managements. Als die Katastrophe offensichtlich war, betrieb die Deutsche Bank den Rauswurf von 4.000 Arbeitern.

Bei der Beinahe-Pleite des Holzmann-Konzerns war die Deutsche Bank bereit, Zehntausende von Arbeitsplätzen über die Klinge springen zu lassen. Erst die wütenden Proteste der Belegschaft führten zur Rettung des Konzerns.

Auch die jetzige Bankenfusion wird auf dem Rücken der Arbeiter durchgeführt. 16.000 Entlassungen sind geplant, ein Großteil des Filialnetzes soll geschlossen werden.

Miria, Finanzberaterin bei der Dresdner Bank in Hamburg erzählt von der Situation im Betrieb: ""Ich bin seit 1991 bei der Dresdner Bank. Es wird kontinuierlich schlechter.

Immer mehr Streß, immer weniger Mitarbeiter und die geforderten Ertragszahlen werden jedes Jahr um 15-20% raufgesetzt. Ich selber betreue alleine 1.000 Kunden.

Wir kriegen den ganzen Druck ab. Die Privatkunden mit wenig Einkommen sind unzufrieden, weil sie immer schlechter betreut werden. Ein Kollege von mir ist 26 und war grade mit Verdacht auf Magengeschwür im Krankenhaus."

Die Bankenfusion dient weder den Interessen der Bankangestellten, noch den einfachen Bankkunden, die jetzt über Callcenter im Minutentakt abgefertig werden sollen.

Die einzigen Profiteure der Fusion sind die Bankenchefs. Sie hoffen, ihre Position im internationalen Wettbewerb zu verbessern, um teilzuhaben am großen Aktienboom.

Dabei haben sie die volle Unterstützung der rot-grünen-Regierung. Schröder freute sich daß "der neue Branchenprimus eine große Rolle auf den Finanzmärkten der Welt spielen werde".

Doch die Freude ist fehl am Platz. Das Aufspringen auf den großen "Shareholder Value"-Spekulationszug ist kein Garant für Wachstum und Stabilität. Die Finanzmärkte und der Aktienboom sind chronisch instabil.

Das Fundament der Weltwirtschaft ist der Aktien-Boom in den USA. Doch dieser Boom ist auf Schulden aufgebaut – die privaten Haushalte in den USA stehen mit insgesamt 243,5 Mrd. in der Kreide.

Wenn die Bereitschaft der Amerikaner, sich immer tiefer zu verschulden, nachläßt, klappt sowohl die Nachfrage nach Aktien, als auch nach Konsumgütern zusammen. Dadurch wird eine Spirale nach unten möglich – mit katastrophalen Folgen für die US- und Weltwirtschaft.

Genau das passierte beim großen Crash 1929. Selbst eingefleischte Marktwirtschaftler wie der neoliberale Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedmann machen "eine unheimliche Ähnlichkeit zwischen dem, was heute am US-Aktienmarkt geschieht, und dem, was in den zwanziger Jahren in den USA passierte" aus.

Der Kapitalismus ist kein rationales System. Das macht es unmöglich vorherzusagen, wann der Crash kommt und wie er genau aussehen wird.

Doch eines ist sicher: Die Bosse werden versuchen, uns den Preis für die Krise zahlen zu lassen. Genau so, wie wir jetzt den Preis für die Jagd der Bankbosse nach Profiten zahlen sollen.

Deshalb sollte jetzt alles getan werden, um den Börsenwahnsinn einzudämmen. Her mit Steuern auf Spekulationsgewinne und Finanztransaktionen. Kampf um jeden Arbeitsplatz..

Linksruck Nr. 84, 22. März 2000

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