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Einstein war Sozialist

Was sie uns über das Gehirn des Jahrhunderts nicht erzählen:

Im letzten Monat veröffentlichte Der Spiegel einen Artikel über das Gehirn des Jahrhunderts. Albert Einstein der aus Gedanken ein Universum schuf, glänzt dort in dem mysteriösen Licht eines Genies, dessen Psyche und Genialität niemand zu ergründen vermag.
In Wirklichkeit jedoch war Einstein weder ein unerklärliches Genie, noch hatte er irgend etwas mystisches an sich.
Einstein war ein Mensch, der die Gesellschaft und das was sie hervorgebracht hat, grundsätzlich in Frage stellte. Dadurch revolutionierte er, mehr als jeder andere Wissenschaftler in den letzten hundert Jahren, unser Verständnis der physikalischen Welt.
Als ein unbekannter Angestellter am schweizerischen Patentamt entwickelte Einstein die Relativitätstheorie die zeigte, daß Raum und Zeit nichts Fixes, sondern vom Standpunkt des Beobachters abhängig sind.

Weltfremd?

Ein Mythos ist die Idee, daß Einstein weltfremd war,
Er war einer der wenigen deutschen Wissenschaftler, die sich als Pazifisten erklärten und sich gegen das schreckliche Schlachten des ersten Weltkrieges stellten.
Er sympathisierte mit der sozialistischen Revolution in Rußland 1917.
Als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, wurde Einstein als Jude verfolgt. Er floh in die USA, um den Vernichtungslagern zu entgehen.
Sein Haß auf die Nazis bewegte Einstein dazu, den Pazifismus aufzugeben.

Er forderte den Präsidenten Roosevelt auf, die Atombombe vor Hitler zu entwickeln.
Aber er bereute diesen Enthusiasmus, nachdem die USA Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten und beteiligte sich an Kampagnen gegen Nuklearwaffen.
Er erklärte, würde er noch einmal die Wahl haben, wäre er lieber Klempner geworden, als ein Wissenschaftler, dessen Ideen für den Bau der Bombe grundlegend waren.

Rote Gefahr

Als amerikanische Politiker in den 50er Jahren eine Kampagne gegen denbösen Kommunismus starteten, wurde Einstein auf die Liste der 50 bekannten Betrogenen und Mitläufer einer angenommenen roten Gefahr gesetzt.
1949 schrieb Einstein einen Artikel mit dem Titel Why Socialism (Warum Sozialismus?) für die erste Ausgabe des sozialistischen Journals Monthly Review.

Auch 50 Jahre später liefert dieser Artikel exzellente Argumente für den Sozialismus.
Der Spiegel hat es geflissentlich versäumt, Einsteins politische Einstellung und seinen Einsatz für den Sozialismus zu erwähnen.
Um seine persönliche Vergangenheit ins richtige Licht zu rücken, drucken wir Auszüge aus Why Socialism ab.

"Der Mensch erhält bei seiner Geburt eine ererbte biologische Grundlage, die wir als fest und unveränderlich ansehen müssen, einschließlich natürlicher Bedürfnisse, die charakteristisch für die menschliche Rasse sind.

Darüber hinaus erwirbt er sich während seines Lebens eine kulturelle Grundlage, die er durch Kommunikation und durch viele andere Arten von Einflüssen von der Gesellschaft übernimmt.


Es ist diese kulturelle Grundlage, die mit der Zeit der Veränderung unterworfen ist und die in einem sehr großen Ausmaß das Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft bestimmt.

Die moderne Anthropologie hat uns durch vergleichende Untersuchungen von sogenannten primitiven Kulturen gelehrt, daß das soziale Verhalten von Menschen, abhängig von den maßgebenden kulturellen Mustern und den Typen der Organisation die in der Gesellschaft vorherrschen, stark voneinander abweichen kann.

Dies ist es, worauf diejenigen, die das Los der Menschheit verbessern wollen, ihre Hoffnungen aufbauen können: Menschen sind nicht aufgrund ihrer biologischen Verfassung dazu verdammt, sich gegenseitig auszulöschen oder einem grausamen, selbst auferlegten Schicksal ausgeliefert zu sein...



Die wirtschaftli che Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft, wie sie heute existiert, ist meiner Meinung nach die wirkliche Quelle allen Übels.

Vor uns haben wir eine gewaltige Gemeinschaft von Produzenten, deren Mitglieder nicht aufhören können, sich gegenseitig um die Früchte ihrer kollektiven Arbeit zu bringen nicht durch Gewalt, aber in ergebener Fügung unter gesetzlich etablierte Regeln.

In dieser Hinsicht ist es wichtig zu erkennen, daß die Produktionsmittel das heißt die gesamte produktive Kapazität, die benötigt wird, um Konsumgüter als auch zusätzliche Kapitalgüter zu produzieren vollkommen legal das Privateigentum von Individuen sein können, und es zum allergrößten Teil auch sind.


Aus Gründen der Vereinfachung werde ich in der folgenden Diskussion alle die, die nicht am Besitz von Produktionsmitteln teilhaben, Arbeiter nennen obwohl dies nicht ganz dem gewohnten Gebrauch des Begriffes entspricht.

Der Besitzer der Produktionsmittel befindet sich in einer Position, in der er die Arbeitskraft der Arbeiter kauft.

Indem er die Produktionsmittel benutzt, produziert der Arbeiter neue Güter, die das Eigentum des Kapitalisten werden.

Der wesentliche Punkt bei diesem Prozeß ist das Verhältnis zwischen dem, was der Arbeiter produziert, und dem, was er verdient, beides in realen Werten gemessen.

Insofern der Arbeitsvertrag frei eingegangen wird, ist der reale Wert dessen, was der Arbeiter erhält, nicht bestimmt durch den realen Wert der Güter, die er produziert, sondern durch das Minimum, das er benötigt und durch die Nachfrage des Kapitalisten nach Arbeitskraft im Verhältnis zu der Anzahl der um die Arbeit konkurrierenden Arbeiter.


Es ist wichtig zu verstehen, daß nicht einmal in der Theorie die Bezahlung des Arbeiters durch den Wert seines Produktes bestimmt ist.

Privatkapital tendiert dazu, in wenigen Händen konzentriert zu sein, zum Teil wegen der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten, und zum Teil dadurch, daß technischer Fortschritt und zunehmende Arbeitsteilung die Bildung von größeren Kapitaleinheiten auf Kosten der kleineren begünstigen.

Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist eine Oligarchie des privaten Kapitals, eine enorme Macht, die noch nicht einmal durch eine demokratisch organisierte politische Gesellschaft effektiv kontrolliert werden kann.

Das ist der Fall, da die Mitglieder der legislativen Körperschaften von politischen Parteien ausgewählt werden, die zum großen Teil von Privatkapitalisten finanziert oder sonstwie beeinflußt werden, die, sehr zu ihrem Nutzen, die Wählerschaft von den legislativen Körperschaften fernhalten.


Die Konsequenz ist, daß die Volksvertreter in der Tat nicht die Interessen der unterprivilegierten Teile der Bevölkerung ausreichend vertreten.

Darüber hinaus kontrollieren unter den vorherrschenden Umständen die Privatkapitalisten unvermeidlich direkt oder indirekt die Hauptquellen der Information (die Presse, das Radio, die Erziehung).

Es ist deshalb für den individuellen Bürger extrem schwierig, und tatsächlich in den meisten Umständen ziemlich unmöglich, zu objektiven Schlußfolgerungen zu gelangen und intelligenten Gebrauch von seinen politischen Rechten zu machen.



Die in einer auf Privatbesitz auf gebauten Wirtschaft vorherrschende Situation ist also durch zwei Hauptprinzipien charakterisiert: erstens sind die Produktionsmittel (Kapital) im Privatbesitz und die Besitzer können über sie verfügen, wie sie wollen; zweitens wird der Arbeitsvertrag aus freien Stücken eingegangen.

Natürlich gibt es in diesem Sinne nirgendwo so etwas wie eine reine kapitalistische Gesellschaft.

Insbesondere sollte bemerkt werden, daß die Arbeiter durch lange und harte politische Kämpfe eine etwas verbesserte Form des freien Arbeitsvertrages für bestimmte Teile der Arbeiter erreicht haben.

Aber im ganzen unterscheidet sich die heutige Wirtschaft nicht sehr vom reinen Kapitalismus.

Die Produktion dient dem Profit, nicht dem Gebrauch.


Es gibt keine Garantie, daß alle diejenigen, die willens und in der Lage sind zu arbeiten, sich immer in der Position befinden, eine Anstellung zu finden; eine Armee von Arbeitslosen existiert so gut wie immer.

Der Arbeiter befindet sich permanent in Angst, seine Arbeit zu verlieren.

Da Arbeitslose und schlecht bezahlte Arbeiter keinen profitablen Markt darstellen, wird die Produktion von Konsumgütern beschränkt, und große Not ist die Folge.

Technischer Fortschritt erzeugt häufig steigende Arbeitslosigkeit anstatt die Arbeitsbelastung für alle zu senken.

Das Profitmotiv ist in Verbindung mit der Konkurrenz unter den Kapitalisten für eine Instabilität bei der Akkumulation und der Nutzung des Kapitals verantwortlich, die zu zunehmend tiefen Krisen führt.


Unbegrenzte Konkurrenz führt zu einer großen Verschwendung von Arbeit und zu der Verkrüppelung des sozialen Bewußtseins der Individuen, die ich vorher angesprochen hatte.

Diese Verkrüppelung des Individuums halte ich für das größte Übel des Kapitalismus.

Unser ganzes Erziehungssystem leidet unter diesem Übel. Dem Studenten wird ein übertriebenes Konkurrenzdenken eingebläut, der darauf trainiert wird, Gewinnsucht und Erfolg als eine Vorbereitung für seine zukünftige Karriere zu verehren.


Ich bin überzeugt, daß es nur einen Weg gibt, diese schwerwiegenden Übel zu überwinden, nämlich durch die Errichtung einer sozialistischen Wirtschaft, begleitet von einem Erziehungssystem, das auf soziale Ziele orientiert wäre.

In einer solchen Wirtschaft werden die Produktionsmittel von der Gesellschaft selbst besessen und in einer geplanten Weise eingesetzt.

Eine geplante Wirtschaft, die die Produktion den Bedürfnissen der Gemeinschaft anpaßt, würde die zu erledigende Arbeit auf alle verteilen, die in der Lage sind zu arbeiten, und würde jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind den Lebensunterhalt garantieren


Die Erziehung jedes Individuums würde über die Förderung seiner angeborenen Fähigkeiten hinausgehend versuchen, in ihm statt einer Glorifizierung von Macht und Erfolg in unserer jetzigen Gesellschaft ein Verantwortlichkeitsgefühl für seinen Mitmenschen zu entwickeln."



Why Socialism erschien ursprünglich in der ersten Ausgabe des Monthly Review.

Der ganze Text kann auf der Webseite des Journal unter www. monthlyreview.org gefunden werden.

Monthly Review veröffentlichte Einsteins Artikel erneut anläßlich des 50. Jahrestages der ersten Ausgabe im Mai 1998.

Linksruck Nr. 80, 26. Januar 2000

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