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marxismus konkrekt: Wie kann AIDS besiegt werden?

Insgesamt sind bisher 22 Millionen Menschen am HIV-Virus gestorben obwohl schon ein Medikament entwickelt wurde, das dem Ausbruch der Krankheit entgegenwirkt. Die medizinische Behandlung von AIDS ist möglich. Viele Menschen müssten nicht sterben.

Aber im Kapitalismus verfügt eine Minderheit über die Produktionsmittel, über Forschungslabors und die Pharmaindustrie. Deswegen hat diese Minderheit auch die Verfügungsgewalt über die Fortschritte, die im Kapitalismus gemacht werden.

Sechs multinationale Konzerne produzieren das Medikament gegen AIDS. Sie machten damit letztes Jahr 45 Milliarden Mark Gewinn.

Dieser Gewinn ist so hoch, weil eine Tagesdosis 90 Mark kostet. Das sind 34.000 Mark pro Jahr.

Mit Hilfe der Welthandelsorganisation (WTO) verhindern diese Konzerne, dass das Medikament billiger produziert und verkauft werden kann.

Deswegen sterben so viele Menschen so früh an AIDS. In Uganda können sich ganze 852 von 930.000 Infizierten das Medikament leisten, in Südafrika 10.000 von vier Millionen Infizierten.

Aber hinter der Seuche steht nicht nur der Virus. Es sind die sozialen Umstände, die ihm eine so rasante Ausbreitung ermöglichen.

Afrika

Afrika ist am schlimmsten von AIDS betroffen. Südlich der Sahara leben 25,3 Millionen Aidskranke. Das sind 70 Prozent der weltweit Infizierten.

Der AIDS-Report der Weltgesundheitsorganisation nennt als Grund das Verhalten afrikanischer Männer. Sie würden sich weigern Kondome zu benutzen. Der Bericht betet damit das rassistische Vorurteil vom sexgeilen Schwarzen nach.

Der wahre Grund für die Ausbreitung der Seuche ist die erschreckende Armut in Afrika. In den 80er Jahren fiel das Pro-Kopf-Einkommen in Teilen der südlichen Sahara um die Hälfte.

Auf dem Rücken dieser Verarmung des Großteils der Weltbevölkerung wächst der Reichtum einer kleinen Minderheit. In den 60er Jahren war das reichste Fünftel der Weltbevölkerung dreißigmal reicher als das ärmste Fünftel. Ende der 90er war diese Minderheit bereits mehr als achtzigmal reicher.

Der Reichtum dieser Minderheit hängt von ihrer Verbindung zu den Multis ab. Die fünf größten Multis, geführt von ungefähr 40 Personen, produzieren mehr als der Mittlere Osten und Afrika zusammengenommen.

Die Armut zwingt viele Frauen zur Prostitution. Gleichzeitig verbreiten sich Hoffnungslosigkeit, und damit der Drogenkonsum. Heroinsüchtige sind einem hohen Risiko ausgesetzt, wenn sie gebrauchte Spritzen benutzen.

So verbreitet sich AIDS ebenso rapide über den Globus wie die Armut. Die Staaten des ehemaligen Ostblocks erlebten in den 90ern einen sozialen Absturz. Dementsprechend hat sich dort die Zahl an Aidskranken dieses Jahr fast verdoppelt: Von 420.000 Fällen auf 700.000.

Der zweite Grund für die Ausbreitung der Seuche ist die Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Um die Ausbreitung von AIDS zu bekämpfen, braucht es Kampagnen gegen ungeschützten Sex. Kondome müssen zur Verfügung stehen. Für Heroinabhängige muss sichergestellt werden, dass Spritzen nicht von mehreren Personen geteilt werden.

Das alles kostet Geld. Aber im Gegenzug für Kredite mussten sich Schuldnerländer gegenüber dem Internationalen Währungsfonds verpflichten, die staatlichen Ausgaben für Gesundheit drastisch zu senken teilweise auf 20 Mark pro Jahr und Person.

In vielen Ländern der Dritten Welt und in vielen Staaten des ehemaligen Ostblock sind die Gesundheitssysteme zusammengebrochen. Mittlerweile geben die afrikanischen Staaten viermal so viel Geld für Schuldenrückzahlungen aus wie für die Gesundheitsversorgung.

Hoffnung

Hinter der massiven Ausbreitung von AIDS stehen die Ungleichheiten im Weltsystem. Verschärft werden sie durch die Politik von IWF und WTO.

Deswegen ist es ein Fanal der Hoffnung, wenn Zehntausende in Seattle und Prag gegen IWF, Weltbank und die WTO protestieren. Ihre Politik tötet. Deswegen haben ihre Gegner in Seattle das Treffen der Welthandelsorganisation direkt konfrontiert und verhindert.

Aber hinter diesen Institutionen steht die Herrschaft einer Minderheit. Deswegen muss sich die antikapitalistische Bewegung mit der Mehrheit, der Arbeiterklasse, verbinden. Es braucht eine revolutionäre Alternative, um die Menschheit vom ihrem Joch zu befreien, und ihr den Zugang zu den materiellen und wissenschaftlichen Errungenschaften zu ermöglichen.

von Michael Ferschke

Linksruck Nr. 100, 13. Dezember 2000

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