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Kommentar: Pakistan: Armut und die Bombe

Pakistan schuldet dem Ausland 32 Milliarden Dollar. Die mageren $1,5 Milliarden Devisenreserven reichen aus, um die lebensnotwendigsten Importe noch vier Monate zu bezahlen. Pakistan steht vor dem Finanzkollaps.
Ganz Pakistan? Nein. Eine kleine Elite von zwei Dutzend Familien, vertreten durch Scharifs Partei PML und die PPP vom Ex-Premier Benazir Bhuttos, lebt in Saus und Braus. Und will das trotz der Krise auch weiterhin tun.
Alleine Scharif soll Banken und Staat um $110 Millionen betrogen haben, Vorgänger Benazir Bhutto mußte vor einigen Jahren wegen Korruptionsvorwürfen ins Ausland flüchten.
Kein Wunder, daß die große Mehrheit des Volkes der Politik mißtraut. Weniger als 25% gehen überhaupt wählen. Auch von der neuen Militärregierung erwarten sie keinen Bruch mit Korruption und Geldgier.

Atomprogramm

1947 trennte sich Pakistan von der ehemaligen britischen Kolonie Indien ab. Die lokale Kapitalistenklasse war damals schwach, die Landbesitzer stark, aber zerstritten. Das von den Briten überlassene Militär und der Verwaltungsapparat waren die einzigen stabilen Institutionen.
Die Generale haben seitdem 25 Jahre direkt regiert. Aber was die Aufrüstung des Militärs angeht, waren die zivilen Regierungen dazwischen auch nicht gerade zimperlich: In den 70er Jahren beschleunigte die Regierung von Zulfikar Ali Bhutto das pakistanische Atomprogramm. Bhutto sagte: Pakistan wird eine eigene Atombombe bauen, auch wenn die Menschen verzichten und Gras fressen müssen. Die Militärregierung von Zia-al Haq, die Bhutto 1977 stürzte und hinrichtete, fuhr mit dem Atomprogramm fort.
Unter immensen Kosten war das Projekt inzwischen erfolgreich: Pakistan ist Atommacht! Die pakistanische Atombombe könnte es ohne den Verkauf von westlicher Atomtechnologie nicht geben wie in den letzten Jahren aufflog, mischte insbesondere die deutsche Atommafia kräftig mit.
Angesichts des Konflikts mit Indien um Kaschmir und die atomare Ausrüstung des Nachbarlandes, ist die Gefahr eines regionalen Atomkrieges real. Und der Westen ist mitverantwortlich für die Destabilisierung der Region.
Seit den 50er Jahren ist Pakistan Verbündeter der USA. Vor allem, weil Indien sich im Kalten Krieg neutral verhielt und sich manchmal sogar auf die Seite Rußlands stellte.
1979 gewann Pakistan zentrale Bedeutung für die USA. Wegen der Revolution im Iran mußte der CIA sein regionales Hauptquartier nach Pakistan umsiedeln. Die russische Besetzung Afghanistans im gleichen Jahr leitete zudem eine neue Phase des Kalten Krieges ein.

Drogen & IWF

Der USA bauten den pakistanischen Geheimdienst auf und leiteten auf diesem Wege Waffen und Geld an die islamistische Guerilla in Afghanistan. Wie in Zentralamerika schürten sie den örtlichen Drogenkonsum, um die großzügige Militärhilfe zu finanzieren.
Ein brutaler Drogen- und Waffenhandel entstand in den überfüllten Flüchtlingslagern an der pakistanisch-afghanischen Grenze. Im Zuge dessen eskalierten Gewalt und Korruption in Pakistan vollends.
Mit dem Ende des Kalten Krieges verlor Pakistan plötzlich seine Bedeutung für den Westen. Die USA wollten sich ihren teuren Verbündeten nicht mehr leisten Pakistan wurde fallengelassen
Was übrig blieb, ist eine ökonomisch und politisch destabilisierte Atommacht mitten in einer Krisenregion. Diese Instabilität wird, wie üblich, durch die Intervention des IWF verschärft.
Hinter dem Putsch steht also eine bis in die Knochen korrupte herrschende Klasse vor Ort. Und dahinter steht der Profit und das geopolitische Interesse des Westens in Form von IWF, USA und der deutschen Atomindustrie.
Was die unteren Teilen der Gesellschaft vom Treiben der Mächtigen halten, zeigt der Abschiedsbrief eines Transport-Arbeiters aus Hyderabad. Er hat sich mit Benzin übergossen und verbrannt, nachdem er zwei Jahre keinen Lohn erhielt. Er schreibt:
Ich bin sicher, daß die Flammen meines Körpers eines Tages die Häuser der Bonzen erreichen werden.
Der Funke fliegt! Nicht nur in Pakistan.

von Ahmed Schah

Linksruck Nr. 75, 5. November 1999

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