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Palästina: "Wir leben in einem Gefängnis!"

Der Plan des saudi-arabischen Kronprinzen Abdullah hat neue Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten gegeben. Er forderte, die israelische Armee solle sich aus dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland zurückziehen. Als Gegenleistung sollen die arabischen Staaten Israel anerkennen. Jan Maas sprach für Linksruck mit drei Vertretern der Vereinigten Palästinensischen Gemeinde von Berlin über den Vorschlag.

Linksruck: Kann der Plan von Kronprinz Abdullah Frieden bringen?

Ahmad: Israel hat bis jetzt jedes Friedensangebot jahrelang verhandelt und verwässert. Die werden immer verhandeln, bis sie die ethnischen Säuberungen vollendet haben.

LR: Was meinst du mit ethnischen Säuberungen?

Ahmad: Schau dir das Westjordanland an. Unsere Städte und Dörfer sind alle getrennt voreinander. Das sind Ghettos. Ein großes Gefängnis. Ihre Siedlungen sind wie Wachtürme in diesem Gefängnis. Sie stehen auf den Gipfeln der Berge rings um unsere Städte.

Was bedeutet sein Olivenbaum für einen Bauern? Und was bedeutet es für ihn, wenn ein Siedler ihn fällt?

LR: Ihr verbindet keine Hoffnung mit dem Vorschlag?

Mahmud: Der Vorschlag ist sicher gut, aber dasselbe stand auch schon in UNO-Resolutionen. Israel war nie bereit, sie zu akzeptieren.

Ahmad: Warum sollte Israel seine Politik ändern, wenn es stillschweigend vom Westen unterstützt wird?

LR: Warum diese Unterstützung?

Ahmad: Nach 45 Jahren muss ich feststellen, dass die alten imperialistischen Ideen nur neu verpackt worden sind.

Ismail: Der Vorschlag hat auch mit dem "Krieg gegen Terror" zu tun. Der US-amerikanische Druck auf Saudi-Arabien war groß, sich der Allianz anzuschließen. Es gibt Verbindungen zwischen Saudi-Arabien und den Anschlägen des 11. September. Saudi-Arabien will aus der Isolation heraus und eine neue Rolle in der Region übernehmen. Auch daher ist der Vorschlag mit Vorsicht zu genießen.

LR: Was hat sich durch den "Krieg gegen Terror" in Palästina verändert?

Ahmad: Unser Präsident Arafat steht unter Hausarrest. In Palästina herrscht Belagerungszustand. Das ganze Volk wird stranguliert.

Mahmud: Der Hausarrest für Arafat steht für das Leben von uns allen. Wir können uns in unseren eigenen Städten nicht frei bewegen. Wie viele schwangere Frauen mussten ihre Kinder auf Checkpoints zur Welt bringen, weil sie nicht zum Krankenhaus kamen?

Ismail: Nötig ist keine neue Initiative, sondern Druck auf Israel, die UNO-Resolutionen endlich anzuerkennen.

LR: Scharon gerät in Israel schon unter Druck. Reservisten verweigerten den Einsatz in den besetzten Gebieten. Die israelische Friedensbewegung ging auf die Straße. Wäre mit einem anderen Ministerpräsidenten Frieden möglich?

Ahmad: Es gab doch mehrere Regierungswechsel in den letzten Jahren: Von Rabin über Peres, Netanyahu, Barak bis Scharon. Es waren sogar Friedensnobelpreisträger darunter.

Wenn der Rest der Welt unsere Unterdrückung nicht wahrnimmt, dann gibt es keinen Frieden.

Ahmad: Die UNO hat Sanktionen gegen Zimbabwe beschlossen, weil Präsident Mugabe Wahlbeobachter rausgeworfen hat. Ist das ein schwerwiegenderes Verbrechen als der Vandalismus von Scharon?

Deutschland hat sich einverstanden erklärt mit den Sanktionen gegen Zimbabwe, aber nicht mit Sanktionen gegen Israel.

LR: Was erwartet ihr von Deutschland?

Ahmad: Wir erwarten, dass die Regierung endlich das umsetzt, wovon sie dauernd redet: Menschenrechte.

Mahmud: Wir erwarten ein Ende der Waffenlieferungen. Deutschland liefert die Waffen – Israel zerstört damit die Infrastruktur der Palästinenser.

Ahmad: Deutschland ist das einzige Land, das die Sanktionen verhindert.

LR: In Deutschland sind viele Menschen der Meinung, die Juden hätten nach dem Holocaust das Recht auf einen eigenen Staat. Was antwortet ihr denen?

Mahmud: Warum nicht? Aber doch nicht auf Kosten von jemand anderem!

Linksruck Nr. 125, 5. März 2002

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