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marxismus konkret: Mit Muslimen gegen den Krieg

Die Großdemonstration in London gegen den Krieg war nur möglich, weil die Organisatoren auch sämtliche muslimische Organisationen aufgefordert haben, sich an der Mobilisierung zu beteiligen. Auch in Deutschland ist massenhafter Widersand gegen den Krieg möglich vorausgesetzt der Graben zwischen weißen und muslimischen Kriegsgegnern wird überwunden.

Der muslimische Widerstand gegen die US-Regierung und ihre Verbündeten, ist der Hauptgrund dafür, dass Bushs Soldaten noch nicht im Irak eingefallen sind. Denn bei einem Angriff riskiert die US-Regierung Aufstände in der ganzen Region, die den US-Truppen in den Rücken fallen könnten. Dass der Protest von Arabern sich oft unter der grünen Fahne des Islam zeigt, ändert nichts an der Bedeutung dieses Widerstandes gegen die größten Kriegstreiber der Welt.

Wie jede Weltreligion hat der Islam verschiedene Ausdrucksformen. Das Christentum ist zum Beispiel der Glaube von radikalen Pfarrern aus Lateinamerika, die gegen Diktaturen kämpfen. Es ist gleichzeitig der Glaube der religiösen Rechten in den USA, die diese Diktaturen unterstützen.

Ebenso verschiedene politische Einstellungen gibt es unter Muslims. Die Königsfamilie Saudi-Arabiens, des wichtigsten arabischen US-Verbündeten, ist muslimisch. Ebenso wie die meisten Menschen im Nahen Osten, welche die US-Politik hassen.

Die radikalen Islamisten sind eine kleine Minderheit unter Muslimen. Unterstützung findet diese Minderheit, weil sie in vielen Städten die einzig sichtbare Opposition zur Herrschaft der USA und den verbündeten arabischen Regimen. Die Abgrenzung der Islamisten zum "ungläubigen" Westen ist ein Anziehungspunkt, für viele, die ihre Unterdrückung nicht hinnehmen wollen. Die im Koran enthaltene Verpflichtung der Reichen, den "Zehnten" abzugeben, scheint eine Antwort auf die Armut der Menschen zu sein. Auch wenn der Islamismus in Wirklichkeit keine Lösung für die Probleme der Muslims hat.

Die Anziehungskraft des radikalen Islam unter verarmten Muslims beruht auch auf der Schwäche anderer sozialer Bewegungen im Nahen Osten. In Ägypten, Algerien oder Irak haben sich in den 70ern und 80ern riesige sozialistische Arbeiterorganisationen, den regierenden Diktaturen angeschlossen, weil sie mit der Sowjetunion verbündet waren. Als die Regime 1977 in Ägypten oder 1988 in Algerien von sozialen Revolten erschüttert wurden, gab es keine linke Organisationen mehr, es blieb lediglich der Islamismus. Er zog viele Arme an, weil er sich unversöhnlich gegenüber der Herrschaft westlicher Konzerne und den korrupten einheimischen Regimes stellte.

Trotz sozialer Parolen stellen sich die Islamisten an der Macht jedoch gegen die Interessen der Bevölkerung. Als nach der iranischen Revolution 1979 Arbeiterräte entstandenen, wurden sie von den Islamisten als "unislamisch" bezeichnet und zerschlagen, weil dort Frauen und Männer gemeinsam organisiert waren.

Ein Teil der algerischen Islamisten, die 1992 durch einen Militärputsch in den Untergrund gedrängt wurden, sitzen heute mit der einstigen Nationalen Befreiungsfront in einer Koalitionsregierung und lassen die Bevölkerung weiter Hunger leiden.

Die meisten Islamisten und erst recht die große Mehrheit der gemäßigten Muslime können jedoch für eine Bewegung gegen den US-Krieg im Irak gewonnen werden. Wir dürfen uns von rassistischen Politikern und Medien nicht täuschen lassen: Nur mit einer gemeinsamen Bewegung von muslimischen und weißen Kriegsgegnern haben wir eine Chance, Bushs Wahnsinn aufzuhalten.

von Frank Renken

Linksruck Nr. 139, 8. Oktober 2002

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