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Monster:

Der Mensch dahinter

„Monster“ – so haben die Medien Aileen Wuornos genannt, die in den 1980er Jahren in den USA mindestens 6 Männer tötete und dafür 2002 in Kalifornien hingerichtet worden ist. Der gleichnamige Film erzählt, wie Aileen durch die Liebe Selbys, einer jungen lesbischen Frau, zum Menschen wird.
„Monster“ zeigt einen Ausschnitt aus der Geschichte der „ersten weiblichen Serienmörderin“, wie die Medien damals schrieben und wirft einen Blick auf das Leben der untersten Schicht der Gesellschaft. Hauptdarstellerin Charlize Theron, Gegnerin der Todesstrafe, hat mit dieser Rolle einen Oscar und einen Golden Globe gewonnen.
Aileen wird schon als Kind missbraucht und von ihrem Vater geschlagen. Mit 13 Jahren steht sie auf der Strasse und prostituiert sich. Die Hoffnung, dass jemand kommt und sie entdeckt, treibt sie an.
Der Traum von einem bürgerlichen Leben mit einem Haus am Strand und einem Auto wird auch von Selby (Christina Ricci) geträumt, als Aileen sie kennen lernt und sich verliebt. Aileen geht ein letztes Mal auf den Strich, um Geld für ihre junge Liebe zu verdienen. Der Freier bringt sie beinahe um.
Selby will zwar selbst aus ihrem engen bürgerlichen Leben entfliehen, aber sie erwartet andererseits von Aileen, dass sie für beide arbeitet und Geld verdient. Als das mit einem regulären Job nicht geht, bringt sie Aileen dazu, wieder anschaffen zu gehen.
Der erste Mord an einem Freier geschieht aus Notwehr. Dann beginnt Aileen, ihre Freier zu ermorden, um Selby die Statussymbole der kapitalistischen Gesellschaft bieten zu können.
Selby verschließt vor der harten Wirklichkeit des Straßenstrichs ihre Augen. Ihr Traum platzt erst, als Fahndungsphotos der Beiden veröffentlicht werden. Schließlich verrät Selby ihre Freundin, um wieder in die kleinbürgerliche Welt zurückzukehren, aus der sie fliehen wollte.
Aileen dagegen wird von der kleinbürgerlichen Welt nicht wieder aufgenommen. Prostitution und Gewalt sind in unserer Welt zwar alltäglich, aber die betroffenen Frauen werden ausgegrenzt. Nach ihrem ersten Mord kann sie nicht einmal mehr in die Prostitution zurück.
Aileens Hass auf Vergewaltiger, „Kinderficker“ und die Gesellschaft, die ihr keine Chance gab, hätte wahrscheinlich für hundert Morde gereicht. Du sollst nicht töten, heißt ein Gebot in unserer Gesellschaft. Doch wir leben in einer Welt, in der staatlicher Mord zur Tagungsordnung gehört und Soldaten für politische Ziele massenweise töten.
Diese brutale Gesellschaft bringt „Monster“ hervor. Wenn diese die Gesellschaft selbst bedrohen, werden sie entfernt. Die Hauptursache – Armut – wird nicht bekämpft.
Aileen konnte sich nie zwischen einem „guten“ und einem „schlechten“ Weg entscheiden. Als Kind von der Strasse, das gelernt hat, mit Prostitution Geld zu verdienen, gibt es für sie nur diesen Weg.
„Monster“ greift nicht nur die Doppelmoral unserer Gesellschaft scharf an – einige dürfen töten, andere nicht. Auch das Leitideal eines kleinbürgerlichen Lebens – für viele Menschen eine unüberwindbare Mauer, an der sie scheitern – wird in Frage gestellt.

von Katja Viereck

Linksruck Nr. 176, 28. April 2004

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