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Sie sterben, damit Konzerne leben können

Versuchen wir uns vorzustellen, wie das Leben im Irak aussehen könnte: Es gibt 24 Stunden am Tag Strom und es gibt rund um die Uhr fließendes Wasser; jede und jeder hat einen Arbeitsplatz und muss sich nachts nicht mehr fragen, was die Kinder am nächsten Tag zu Essen bekommen; die irakischen Mädchen und Jungen haben Schulbücher und lernen lesen und schreiben; und es gibt keine Schlangen mehr vor Tankstellen.
Es ist keine Utopie, auch wenn es heute im Irak ganz anders aussieht. Denn die Menschen im Irak leben in einem Land, in dem die zweitgrößten Ölreserven der Welt vermutet werden. Weil Erdöl heut der wichtigste Rohstoff ist, könten die Iraker reich sein. Nicht umsonst hat Erdöl den Beinamen „Schwarzes Gold“.
Stattdessen sind die Erdölvorkommen der Grund, warum die Menschen im Irak seit 100 Jahren nicht in Frieden leben dürfen.
Der Kapitalismus kann ohne Öl nicht funktionieren. Die Konzerne brauchen Erdöl, um Strom zu erzeugen, damit ihre Fabrikbänder laufen und damit ihre Waren von einem Ende der Welt zum andern transportiert werden. Und schließlich ist die militärische Kraft einer Regierung auch davon abhängig, wie viel Treibstoff sie zu welchem Preis hat, um Panzer, Flugzeugträger oder B-52 Bomber einzusetzen. Würde in Europa kein Erdöl mehr ankommen, würde die gesamte Wirtschaft Europas zusammenbrechen.
Seit der Entdeckung des Erdöls und seiner Eigenschaften im 19. Jahrhundert herrscht ein blutiger Streit zwischen den mächtigsten Regierungen der Welt darüber, wer diese Quellen kontrolliert. Für die europäischen Mächte und USA ist die Kontrolle dieser Quellen genauso wichtig wie für Russland, China oder Japan. Doch sowohl in Europa, wie auch in den USA sind die Erdölvorkommen minimal. Deshalb unterstützen die USA brutale Diktaturen wie in Saudi Arabien. Oder sie stürzen unbeugsame Regierungen wie im Irak, besetzen das Land und bauen eigene Militärstützpunkte, um direkte Kontrolle auszuüben. Gleichzeitig geraten Staaten, die weniger Quellen kontrollieren, umso mehr von der dominierenden US-Macht in Abhängigkeit. Die USA haben die Kontrolle über das irakische Öl und können so ihre Interessen gegenüber ihren wirtschaftlichen Konkurrenten wie China, Russland oder Europa besser durchsetzen.
Für den US-Konzern General Motors zum Beispiel bedeutet das, dass er weltweit bessere Verträge aushandeln kann als vielleicht der deutsche Konkurrent Volkswagen. Denn die US-Regierung hat eine wesentlich stärkere Armee als die europäischen Länder.
Die meisten US-Konzerne haben deshalb die Bush-Regierung bei dem Krieg gegen Irak unterstützt, während die deutsche Regierung, gar nicht in der Lage wäre selbstständig im Irak einzumarschieren.
Gleichzeitig ermöglicht die US-Regierung den amerikanischen Öl-Konzernen an der Förderung und dem Verkauf von Erdöl Profite zu machen. Sie gibt US-Konzernen so genannte Wiederaufbauaufträge und verkauft ihnen zu Spottpreisen alle ehemals staatlichen irakischen Betriebe.
Und wie überall auf der Welt wollen die Konzernchefs auch im Irak den Arbeitern so wenig wie möglich Geld geben und selbst so wenig wie möglich Steuern zahlen. Deshalb fehlt Geld um Wasser-, Stromversorgung und soziale Leistungen zu finanzieren. Gleichzeitig schränkt die US-Verwaltung demokratische Rechte ein, um den Widerstand der irakischen Bevölkerung gegen diese Politik zu zerbrechen. Gewerkschaftsrechte und Pressefreiheit werden eingeschränkt und Demonstrationen werden verboten.
Die Besatzer unterdrücken die irakische Bevölkerung , damit die Konzerne die Reichtümer des Landes ausbeuten können.
Würden alle Iraker entscheiden dürfen, was mit den Profiten aus dem Ölverkauf passieren soll würden sie Medikamente und Schulbücher für ihre Kinder kaufen.
Deshalb fragt man sie erst gar nicht. Dagegen wehren sich die Iraker. Sie organisieren Unterschriftensammlungen und Demonstrationen und fordern freie Wahlen und Selbstbestimmung. Aber hunderte friedlicher Demonstranten wurden bereits von GI’s erschossen. Deshalb haben sich viele Iraker bewaffnet, um sich gegen die Besatzer verteidigen zu können und sie zum Abzug zu zwingen.
In mehreren Städten haben sie Aufstände organisiert und die Besatzungstruppen gezwungen drei Städte zu räumen. Die erste befreite Stadt, wo entschlossen gekämpft wurde, war Falludscha – dort starben im April letzten Jahres 14 Iraker als die US- Truppen auf eine friedliche Demonstration feuerten.
Die Iraker werden erst in Frieden leben, wenn sie selbst und demokratisch darüber bestimmen können, was sie mit den Reichtümern, die sie produzieren, machen.
Das wird nur möglich, wenn die USA im Irak verlieren und gezwungen werden, ihre Truppen abzuziehen. Erst dann werden die Iraker ihre Gewehre bei Seite legen können. Wir müssen sie bei dem Kampf um eine friedliche Welt unterstützen.

von Monika Krala (E-Mail)

Linksruck Nr. 180, 23. Juni 2004

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