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Niederlande:

Interview: Rassismus durchbrechen

Eine Koranschule in den Niederlanden brennt
Deutsche Medien behaupten, die Niederlande seien jahrelang zu tolerant gegenüber Muslimen gewesen.
Die Niederlande gelten von jeher als tolerantes Land. Doch schon seit Jahren macht die Regierung rassistische Politik und unterstützt den „Kampf gegen Terrorismus“. Es hat einen enormen Ruck nach rechts gegeben.

Angeblich nutzen „Hassprediger“ die Moscheen, um Muslime zu Gewalttaten aufzuhetzen.
Mehr als jeder andere predigt unsere eigene Regierung Hass. Sie schlägt einen immer härteren Ton gegen die marrokanische Gemeinschaft an. Seit dem 11. September erleben extreme Rechte vom Schlage Pim Fortuyn einen Aufschwung. Die Medien lassen Rassisten zu Wort kommen, die von “Scheiss-Marrokanern” und einem “Ausländerstopp” sprechen. Geschäfte und Büros werden mit rassistischen Parolen beschmiert, Frauen mit Kopftuch beschimpft und bespuckt. Inzwischen darf alles gesagt werden, nur nicht, dass diese Hetze nichts anderes ist als Rassismus.
Das führt unter anderem dazu, dass ein Teil der jüngeren Generation der Immigranten anfängt, sich zu isolieren.

Die niederländische Regierung will die Einwanderungsgesetze verschärfen. Ist das die Lösung für das Problem?
Viele Politiker fördern ein Klima, in dem der Islam als Feind der „westlichen Zivilisation“ gesehen und jeder Muslim als Fundamentalist verdächtigt wird. Auf die Weise fördern sie Polarisierung, Hass und Gewalt. In diesem Klima kann unsere Regierung Vorhaben durchsetzen, die schon länger geplant waren: Unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung werden immer mehr Bürgerrechte eingeschränkt. Diese Politik richtet sich nicht nur gegen Einwanderer, sondern vor allem gegen die Linke und die außerparlamentarische Opposition.
Die rassistische Hetze soll noch eine zweite Funktion erfüllen. Viele Menschen haben ihr Vertrauen in die Regierungsparteien verloren, seit diese einen radikalen Sozialabbau durchsetzen. Repression und Rassismus sollen von der sozialen Krise ablenken und außerparlamentarischen Widerstand erschweren.

Was ist der richtige Weg zu einem friedlichen Zusammenleben von nicht-muslimischen Niederländern, Muslimen und anderen Einwanderern?
Es ist wichtig, den neuen Rassismus genau zu verstehen und sich ihm gemeinsam entgegenzustellen. Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Ein erster Schritt ist unsere ‚Stopp die Hetze’-Kampagne unter dem Motto: „Der Islam ist nicht der Feind und Hass keine Lösung“. Hier wollen wir alle Menschen zusammenbringen, die genug haben von der islamophoben Hetze und Solidarität aufbauen wollen. Diese Kampagne soll den Grundstein legen für eine neue und breite Bewegung gegen alle Formen von Rassismus.
Nächste Woche wird das erste niederländische Sozialforum stattfinden. Unter anderem wird es eine Veranstaltung zum Thema ‚Islamophobie und Rassimus’ geben, und zum Abschluss ist eine Demonstration unter dem Motto ‚Zusammen gegen Rassismus’ geplant. Der Kreislauf von Polarisierung und Gewalt wird sich nur durchbrechen lassen, wenn wir solidarisch miteinander diskutieren und unsere gemeinsamen Ansichten praktisch umsetzen.

Miriyam Aouragh, hat die antirassistische Kampagne „Stopp die Hetze“ in den Niederlanden mitbegründet.

Linksruck Nr. 189, 24. November 2004

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