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Was es nie gegeben hat

- Film "Good Bye, Lenin!" -

Berlin, Sommer 1990: An der Plattenbaufassade gegenüber entrollt der größte Getränkekonzern der Welt ein riesiges Werbebanner für Coca-Cola. Christiane Kerner traut ihren Augen nicht.
Die von der DDR-Ideologie überzeugte Frau hatte einen Herzinfarkt, als sie sah, wie ihr Sohn Alex auf einer Montagsdemonstration gegen das SED-Regime von Polizisten brutal zusammengeschlagen worden ist. Acht Monate hat sie im Koma gelegen und dadurch die Wiedervereinigung verschlafen. Ihr Herz ist schwach, jede Aufregung, wie etwa durch den Untergang der DDR, muss von ihr ferngehalten werden.
So kommt es, dass Alex seiner bettlägerigen Mutter vorgaukeln muss, dass mit ihrem geliebten Staat alles in Ordnung sei, was sich aber als schwierig erweist: Ost-Lebensmittel sind in Berlin schnell verschwunden. Seine Schwester hat einen neuen Freund aus dem Westen und arbeitet bei Burger King. Von alledem darf die Mutter nichts erfahren.
Je länger Alex die DDR scheinbar am Leben halten muss, desto kritischer sieht er den jetzigen Ausverkauf seiner Heimat: Viele haben sich von der Wende mehr erhofft als Arbeitslosigkeit und Sex-Shops.
Mit der Zeit wird die Scheinwelt für seine Mutter, immer mehr zu einer DDR, wie Alex sie sich gewünscht hätte. Als Christiane eines Tages auf die Straße stolpert und sieht, wie Westdeutsche in ihr Haus einziehen, zeigt Alex sein ganzes Können: Heimlich spielt er auf dem Fernseher eine gefälschte DDR-Nachrichtensendung ein, in der tausende Westdeutsche in die DDR fliehen, weil sie von Arbeitslosigkeit, mangelnden Zukunftsaussichten und Wahlerfolgen von Naziparteien die Schnauze voll haben.
Der niemals sozialistisch gewesene Staat wird durch Alex’ Inszenierung zu einer großzügigen Gesellschaft des Miteinanders. Als auf den Straßen die Wiedervereinigung gefeiert wird, gesteht Alex seiner Mutter den Fall der Mauer – weil die DDR sich nun endgültig den Flüchtlingen aus dem Westen geöffnet habe. Der erste Deutsche im All Sigmund Jähn, Alex Kindheitsidol, wird in einer weiteren gefälschten Nachrichtensendung zum neuen DDR-Staatsoberhaupt erklärt. Alex lässt ihn eine Ansprache halten: "Sozialismus, das heißt auf den anderen zugehen, mit den anderen leben, nicht nur von der besseren Welt zu träumen, sondern sie wahr zu machen. Viele sind auf der Suche nach einer Alternative zu dem harten Überlebenskampf im kapitalistischen System. Nicht jeder möchte bei Karrieresucht und Konsumterror mitmachen. Nicht jeder ist für die Ellenbogenmentalität geschaffen."
Alex wird klar, dass die DDR "ein Land war, das es in Wirklichkeit nie so gegeben hat." Doch von seiner Hoffnung auf eine solidarische Gesellschaft ist auch das neue Deutschland weit entfernt. Wer Alex’ Enttäuschung über beide Systeme nachempfinden kann, der wird in "Good bye, Lenin!" zwei Stunden zwischen lachen und Mitgefühl schwanken – und sich am Ende vielleicht eine Gesellschaft wünschen, in der Menschen wirklich im Mittelpunkt stehen.

von Clara Stattegger

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