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„Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet“

Proteste gegen die G8

Als sich die Regierungschefs der acht mächtigsten Staaten der Welt im Sommer auf dem G8-Gipfel in Gleneagles trafen, versprachen sie, den Kampf gegen die Armut in Afrika aufzunehmen. Doch die G8 produzieren über die von ihnen kontrollierten Institutionen Internationalen Währungsfond (IWF) und Weltbank den Hunger in der Dritten Welt.

In der Weltwirtschaftskrise der 80er Jahre waren die armen Staaten gezwungen, Kredite vom IWF und der Weltbank aufzunehmen. Inzwischen übersteigen die Zinsen die eigentlichen Kredite um das Vielfache, so dass die internationalen Kreditgeber kräftig an der Armut verdienen. Um Kredite und Zinsen zurück zu zahlen, muss sich die Dritte Welt immer weiter verschulden. An neue Kredite werden Bedingungen geknüpft. Dazu gehören so genannte Strukturanpassungsprogramme (SAP). Die Staaten müssen öffentliche Ausgaben senken, Subventionen für Lebensmittel abschaffen und ihre Landwirtschaft auf den Export ausrichten. Deshalb werden statt Lebensmitteln Kaffee oder Baumwolle angebaut. Mit diesen Gütern müssen die armen Staaten oft auf dem Weltmarkt gegeneinander konkurrieren. Gleichzeitig wird ihr Markt von den viel billigeren westlichen Produkten überschwemmt und so auch die kleinsten Industrien zerstört.

Die SAPs führen zu einer Politik, die Kreditrückzahlung über die Bedürfnisse der Menschen stellt. Während es in Simbabwe an Nahrung mangelt, zahlt Präsident Mugabe 130 Millionen US-Dollar an den IWF. In Äthiopien sterben jedes Jahr 100.000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten. Der Staat steckt viermal mehr Geld in die Kreditrückzahlungen als ins Gesundheitswesen. Die Regierung des Niger füllt die Getreidespeicher nicht und weigert sich sogar, Hilfsgüter an die Hungernden zu verteilen, weil sie die Preise nicht verderben will und damit die Kreditgeber vergraulen könnte. Der Niger wird dafür von den G8-Staaten als Modell für erfolgreiche Armutsbekämpfung gelobt.

2004 waren 856 Millionen Menschen schwer unterernährt. Das hat mit Überbevölkerung nichts zu tun: Die Welternährungsorganisation FAO erklärte, dass die Weltlandwirtschaft problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren kann. Jean Ziegler, der UN-Sonderberichtserstatter für das Recht auf Ernährung, spricht gegenüber der taz von millionenfachem Mord: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet. Die Weltordnung des globalisierten Kapitalismus ist nicht nur mörderisch, sondern auch absurd. Sie tötet, aber sie tötet ohne Notwendigkeit.“

Das reine Profitinteresse der G8 verhindert eine vernünftige Planung in der Landwirtschaft. Auch damit könnte man Hungersnöten nach Dürre, Überschwemmungen und Heuschreckenplagen vorbeugen.

Die aktuelle Hungersnot im Niger etwa war vorhersehbar. Hilfsorganisationen warnten schon letztes Jahr. Die UNO rief die reichen Länder zu einer Krisenhilfe von 18,3 Millionen Dollar. Nur 3,6 Millionen Dollar sind angekommen.
Inzwischen sind Millionen von Menschen in Zimbabwe, Malawi, Namibia und anderen Ländern vom Hunger bedroht.

Ein kleiner Teil dessen, was von der G8 jedes Jahr für Waffen und Kriege ausgegeben wird, würde genügen, um die Ursachen von Hunger in Afrika zu bekämpfen. Mit den 50 Milliarden Dollar, die die Besatzung des Irak jährlich verschlingt, könnte man laut einer Schätzung des UN-Entwicklungsprogramms allen Menschen Zugang zu Wasser, Schulbildung, Gesundheitsversorgung, sanitären Anlagen und Nahrung finanzieren. Doch die G8 tut nichts.

Gegen den nächsten G8-Gipfel im Sommer 2007 in Heiligendamm (Deutschland) bereiten Globalisierungskritiker Proteste vor.

von Paul Grasse

Linksruck Nr. 209, 26. Oktober 2005

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