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"Fremde Haut":

Wunsch nach Freiheit

Die junge Iranerin Fariba (Jasmin Tabatabai) flieht wegen ihrer verbotenen Liebe zu einer Frau nach Deutschland. Sie gerät ins Räderwerk deutscher Asylpolitik und soll gleich am Flughafen wieder abgeschoben werden.

Nach dem Selbstmord eines iranischen Studenten in der Auffangstation für Asylbewerber im Frankfurter Flughafen wagt Fariba einen Identitätswechsel. Sie packt seine Leiche in ihren Koffer und nimmt seine Identität an.

Fortan lebt sie als Samiak Mustafai in einem schwäbischen Asylbewerberheim, arbeitet schwarz in einer Sauerkrautfabrik, hofft auf einen gefälschten Pass und verliebt sich in die allein erziehende Kollegin Anne (Anneke Kim Sarnau).

Fariba/Samiak spricht mehr in Bildern als mit Worten: In vielen Szenen steht Fariba die Angst ins Gesicht geschrieben.

Ihr Alltag ist nicht leicht: Immerzu muss sie damit rechnen, enttarnt oder verhaftet zu werden. In der Sauerkrautfabrik kommt es auch fast dazu.

Tabatabai spielt die Rolle mit viel Gefühl und spickt sie mit eigenen Erfahrungen: “Ich habe mich an meinen Vater erinnert, wie er aussah, als wir nach dem Tod des Schahs und der Schließung der deutschen Schule in Teheran nach München gingen, wo meine Mutter herstammt. Diese hängenden Schultern, der eingezogene Hals, der traurige Blick.”
“Auch wie die Bartstoppeln meines Bruders aussehen, haben die tolle Maskenbildnerin Susana Sánchez-Nunez und ich für den Film genutzt. … Mir kam Deutschland damals, als klar wurde, dass wir nicht mehr zurück können, in jeder Hinsicht kalt vor. Ich habe mich die ersten Jahre in der fremden Umgebung schwer getan. Das habe ich wieder raufgeholt für diese Rolle."

Die Drehbuchautorin Angelina Maccarone webt aber auch Faribas Stärke und Lebenswillen mit ein. Tabatabai dazu: “Mich fasziniert Faribas wahnsinniger Lebenswille und Freiheitsdrang, wie sie diese unglaublichen Situationen durchlebt. Und: Sie läuft nicht frustriert durch die Gegend, sondern bewahrt sich trotz allem noch ein Stück Lebensfreude.”
“Sie will frei sein, das ist ihre Motivation. Das Schlimmste für mich war, den toten Freund in den Koffer zu stecken und alleine zu begraben. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, der so weit geht, wie radikal und wie ungewöhnlich?”

Im Laufe des Films hört man Faribas/Samiaks Briefe an seine Familie. Sie schmückt das Leben in Deutschland für die Eltern des Freundes aus. Diese Briefe stehen in hartem Kontrast zu der Realität des illegalen Jobs, des Zwei-Mann-Zimmers im Heim, der Tristesse des Landlebens und der Einsamkeit.

Maccarone zeichnet in diesem hervorragenden Film das Leben auch der anderen zentralen Filmfiguren facettenreich und einfühlsam nach: Der allen gemeinsame Wunsch nach Freiheit, Nähe und Leben.

von Katrin Schierbach

Linksruck Nr. 209, 26. Oktober 2005

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