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Mohammed-Karikaturen:

Sie wehren sich gegen Rassismus

Auch in Paris demonstrierten Muslime gegen die Mohamed-Karikaturen. Sie prangern „Islamophobie“ an – Rassismus gegen Anhänger des islamische Glaubens
Hintergrund: Feindbild für den Krieg

Die USA führten Kriege gegen Afghanistan und Irak, um das Öl des Nahen Ostens unter ihre Kontrolle zu bringen. Jetzt bedrohen sie Iran. In all diesen Ländern leben hauptsächlich Muslime. In den Karikaturen werden sie als gefährlich und rückständig dargestellt, um den Eindruck zu erwecken, bei den Kriegen würden die richtigen getötet.

Schon als die USA in den 60er Jahren Krieg gegen Vietnam führten, verhöhnten Armee-Zeitungen Vietnamesen als „Schlitzaugen“, damit die Soldaten weniger Hemmungen haben, sie zu ermorden. Die Nazis erklärten ihren Angriff auf Russland zum „Rassenkrieg“ gegen „slawische Untermenschen“.

Trotz der rassistischen Kampagne gegen Muslime, lehnen die meisten Menschen in den USA und auf der ganzen Welt die US-Kriege im Nahen Osten ab. Um dennoch Unterstützung für einen neue Krieg zu bekommen, versuchen die herrschenden Politiker und Medien es jetzt mit noch radikalerem Rassismus als bisher. Die Mohammed-Karikaturen sind der bisherige Höhepunkt.

Regierung und Politiker behaupten, Muslime, die gegen die Mohammed-Karikaturen der dänischen Jyllands-Posten demonstrieren, würden den „Kampf der Kulturen“ gegen die Pressefreiheit in Europa führen. Vor drei Jahren hielt die Zeitung selbst nichts von dieser „Pressefreiheit“, als sie sich weigerte, eine Karikatur über das Christentum zu drucken. Die Begründung war damals, die Zeichnung würde religiöse Gefühle verletzen. 1984 forderte Jyllands-Posten die Zensur eines Künstlers, der erotische Jesus-Bilder zeichnet.

Erst als das Blatt die Karikaturen veröffentlichte, die nahe legen, dass alle Muslime Terroristen seien, spielte es sich zum Verteidiger der Pressefreiheit auf.
Die Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund von Hautfarbe oder Glaubenszugehörigkeit hat einen Namen: Rassismus.

Eine der veröffentlichten Karikaturen zeigt Mohammed mit einem Turban, der wie eine Bombe mit brennender Zündschnur aussieht. Auf einem anderen Bild erklärt Mohammed Muslimen im Himmel, ihm seien die Jungfrauen als Belohnung für ihre Selbstmordattentate ausgegangen.

Eine dritte Zeichnung zeigt Mohammed mit grimmigem Gesicht und Schwert. Hinter ihm stehen verängstigte, verschleierte Frauen.

Kurt Westergaard, einer der Karikaturisten, gab zu, dass er mit seinen Zeichnungen Muslime zu Terroristen stempeln will: Angeblich „bezieht der internationale Terrorismus seine geistige Munition aus dem Islam“.

Muslime als Bombenleger mit Vollbart und Turban darzustellen, ist nicht besser als die Darstellung von Geld zählenden Juden mit Hakennase und hängender Unterlippe. Solche Darstellungen würden zu Recht einen Sturm der Empörung hervorrufen, weil es sich um ein antisemitisches Klischee handelt, das den Weg zur Entrechtung und schließlich Ermordung der Juden bereitet hat.

Diese Karikaturen zu veröffentlichen ist ein Teil der jahrelangen Unterstützung der Jyllands-Posten für die ausländerfeindliche und rechtsextreme Dänische Volkspartei. Diese bezeichnet den Islam als „Krebsgeschwür“ und „Terrorbewegung“. Die in Dänemark für ihren Rassismus bekannte Vorsitzende Pia Kjaersgaard sagte auf Europa und den Nahen Osten bezogen: „Es gibt nur eine Zivilisation, und das ist unsere.“

Deutsche Zeitungen wie die rechte Welt, die die Karikaturen auch gedruckt haben, unterstützen nicht die Pressefreiheit, sondern die ausländerfeindlichen Kampagnen von Jyllands-Posten und der Dänischen Volkspartei. Die Welt berief sich auf „das hohe Gut der Meinungsfreiheit“. Doch sie fordert ein Kopftuchverbot an Schulen und spricht Muslima damit die Freiheit ab, sich zu kleiden, wie sie wollen.

All diesen Medien und Politikern geht es nicht um die Verteidigung der Freiheit gegen Religion. In Wirklichkeit verbreiten sie rassistische Vorurteile gegen Muslime, um den angeblichen „Krieg gegen den Terror“ zu rechtfertigen (siehe Hintergrund).

Der geschürte Hass auf Muslime ist für sie gefährlich, auch in Ländern, die die US-Armee noch nicht angegriffen hat. Die Menschenrechtsorganisation „International Helsinki-Föderation“ hat in einem neuen Bericht über Diskriminierung in Europa festgestellt, dass sich „das soziale Klima, in dem Muslime leben, in den untersuchten Ländern seit dem 11. September deutlich verschlechtert hat“. Der Bericht dokumentiert zahlreiche Übergriffe. Viele Angriffe hätten Muslime zudem der Polizei nicht gemeldet, weil sie nicht glaubten, dass die Polizei ihnen helfen würde. Denn in vielen europäischen Ländern führt die Polizei grundlos Razzien in Moscheen gegen Unschuldige durch.

Der Bericht erklärt, dass es in einigen Ländern „legitim“ geworden sei, „offen feindselig gegenüber Muslimen aufzutreten und sich intoleranter Ausdrücke zu bedienen“. Eine Erhebung der Londoner Polizei nach den Anschlägen am 7. Juli zeigte, dass Rassisten innerhalb eines Monats siebenmal mehr Gewalttaten gegen religiöse Minderheiten begangen haben als zuvor. Angegriffen wurden vor allem Muslime oder deren Einrichtungen, zum Beispiel Moscheen. Das ist die Folge der Hass-Predigten gegen den Islam.

Deshalb protestieren jetzt hunderttausende Muslime zu Recht gegen die Karikaturen. Sie sehen in der Verhöhnung ihres Religionsstifters die Fortsetzung der kolonialen Unterdrückung durch die Großmächte, die es auf das Erdöl und andere Schätze abgesehen haben. Sie sehen sie in direktem Zusammenhang mit dem Irakkrieg, der seinen symbolischen Ausdruck in den Folterbildern aus Abu Ghureib fand, und den Kriegsvorbereitungen gegen den Iran.

Die westlichen Medien zeigen nur Bilder von Gewalt bei den Protesten, um das Bild des gefährlichen Muslims zu bestätigen Doch obwohl Muslime allen Grund haben, auf europäische Staaten wütend zu sein, sind die Bilder von Demonstranten, die europäische Botschaften stürmen, ein Zerrbild der Bewegung gegen die Karikaturen. Die große Mehrheit der Demonstranten hat weder Gebäude noch Menschen angegriffen.

Die Muslime, die den Angriff durch die westlichen Mächte ihrerseits als einen Krieg der Religionen begreifen und Andersgläubige angreifen, wählen den falschen Weg.
Doch die Verantwortlichen sitzen in den Regierungsgebäuden der USA und Europas und in den Redaktion von rassistischen Zeitungen wie Jyllands-Posten und Welt. Diese Verbrecher müssen Muslime, Christen und nicht religiöse Menschen gemeinsam stoppen, damit der Rassismus ein Ende hat.

Linksruck Nr. 215, 22. Februar 2006

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