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Schuften bis ins Grab

Das staatliche Rentensystem lohnt sich vor allem für gut Verdienende. Das ergibt eine Studie von Karl Lauterbach, SPD-Abgeordneter und Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Köln. Laut der Studie werden die Rentenbeiträge von Gering- und Normalverdienern zu Besserverdienern umverteilt.

Der Grund ist die geringere Lebenserwartung derjenigen, die nicht so viel verdienen. Wer ärmer ist, stirbt früher und bekommt deswegen insgesamt weniger Rente. „Nach langer Arbeit kurz in Rente und dann ein schneller Tod“, fasst Lauterbach die Aussichten von Arbeitern zusammen.

Gegenüber der Zeit erklärte er: „Männer, die mehr als 4500 Euro im Monat verdienen, haben statistisch eine sieben Jahre längere Rentendauer als Bezieher von Einkommen unter 1500 Euro. Bei Frauen gilt ungefähr das Gleiche. Hinzu kommt, dass doppelt so viele Geringverdiener wie Gutverdiener das Rentenalter gar nicht erreichen, weil sie vorher sterben.“

Laut Gesetz müssen Versicherungsbeiträge in einem angemessenen Verhältnis zur Leistung stehen. Lauterbachs Studie belegt das Gegenteil: „Während die öffentliche Diskussion oft den Eindruck erweckt, dass im Rentensystem eine Umverteilung von Reich zu Arm stattfinde, ist es tatsächlich umgekehrt.
Die einkommensschwachen Gruppen könnten ihre eigene Rente mit einem Beitragssatz um die 15 Prozent abdecken. Einkommensstarke, wollten sie ihre eigene Umlage finanzieren, müssten deutlich mehr als 22 Prozent zahlen. Für sie ist das jetzige System äußerst attraktiv.“

Obwohl Geringverdiener früher sterben und deshalb weniger Rente bekommen, erhöht die Regierung das Rentenalter auf 67. Stattdessen müsste Arbeitsminister Müntefering dafür sorgen, dass Geringverdiener ohne Abzüge früher in Rente gehen können. Dasselbe gilt für alle Arbeiter, die der Job ihre Gesundheit gekostet hat. Dafür zahlen sollten die Bosse. Denn sie sind für mindestens 15 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich. Mindestens jeder sechste Patient wird durch seine Arbeit krank. Das ergab vor einigen Jahren eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Zudem müssten Arme mehr verdienen können: zum Beispiel mit einem Mindestlohn statt der Ausweitung von Billiglöhnen und mehr Arbeitslosengeld statt Hartz IV. Wenn die Steuern für Reiche und Konzerne erhöht statt gesenkt würden, wäre auch genug Geld für den Sozialstaat da.

von Frank Eßers (E-Mail)

Linksruck Nr. 215, 22. Februar 2006

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