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Zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart:

Aufklären mit Musik

Das einzige zeitgenössische Bild Mozarts

Schon als Kind hat Mozart Sonette, Sinfonien und Opern komponiert. Doch die meisten seiner frühen Werke sind relativ einfach und seinem Alter entsprechend kindlich.

Mozart war kein Wunder der Natur, sondern musste in vielen Momenten seines Lebens hart um seine Musik kämpfen. Seine Entwicklung vom Wunderkind zu dem forschenden und radikalen Komponisten in den letzten zehn Jahren seines Lebens war eine Folge künstlerischen Mutes und der Auseinandersetzung mit seiner Umgebung, die voller radikaler musikalischer und politischer Ideen war.

Mozart wurde 1756 in Salzburg in eine musikalische Familie hineingeboren. Sein Vater Leopold war Geiger und Autor eines Buches über Geigenspiel, das bis ins 19. Jahrhundert ein Standardwerk war.

Als Leopold die musikalische Begabung von Wolfgang und dessen Schwester Nannerl erkannte, ließ er sie an den Königshöfen Europas auftreten. Vom 6. bis zum 17. Lebensjahr musste Mozart vor allem zur Unterhaltung von Königen, Prinzen und Bischöfen spielen.

Musiker konnten damals entweder Musik für Gottesdienste komponieren, wie zum Beispiel Johann Sebastian Bach. Oder sie konnten für einen mächtigen Adligen arbeiten, wie Joseph Haydn. Weil Mozart beides nicht wollte, versuchte er als unabhängiger Musiker Karriere zu machen, was damals völlig unüblich war.

1778 zog Mozart nach Paris. Zwei Jahre später kehrte er pleite und enttäuscht nach Salzburg zurück. Er schloss sich seinem Vater an, der für Hieronymus von Colloredo-Mannsfeld, den Erzbischof von Salzburg arbeitete.

Doch Mozart weigerte sich, die Beschränkungen hinzunehmen, die sein konservativer und strenger Arbeitgeber ihm auferlegte. Bei einer Reise nach Wien mit Colloredo-Mannsfeld spitzten sich die Spannungen zu.

Nach einem Streit wurde Mozart vom Kammerdiener des Bischofs aus dem Zimmer geworfen. Mozart war frei und sollte für den Rest seines kurzen Lebens ein unabhängiger Musiker bleiben.

Er entschied sich, in Wien zu bleiben, der lebendigen Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Noch wichtiger war, dass die Stadt ein Zentrum der Aufklärung war.

Die Aufklärung war im 18. Jahrhundert eine Bewegung, die unter anderem für wissenschaftliche Vernunft, Kunst als Ausdruck des Individuums und eine Lockerung der Fürstenherrschaft eintrat. 1780, ein Jahr vor Mozarts Ankunft in Wien, hatte mit Kaiser Joseph II. ein Mann die Macht übernommen, der diesen Ideen anhing.

Der neue Kaiser griff die Privilegien der katholischen Kirche an, reformierte Gesetze und löste die Zensur der Kunst. Diese Umgebung ermöglichte Mozart, unabhängig zu leben und seine Meisterwerke zu komponieren.

Mozart setzte sich auch aktiv für die Aufklärung ein. Er schloss sich den Freimaurern an, damals eine Gruppe von Denkern, die der Aufklärung nahe standen.

Seine Ideen verbreitete er teilweise auf verborgene Weise in seiner Musik. Beispielsweise gab er dem Solisten in den Klavierkonzerten seiner Wiener Jahre eine eben so große Stellung wie dem Orchester. Bis dahin hatten Solisten nur als Begleiter des Orchesters gegolten.

So drückte er die Idee der individuellen Freiheit musikalisch aus. In seinen bekanntesten Opern „Die Hochzeit des Figaro“, „Don Giovanni“ und „Die Zauberflöte“ benutzte er seine Kunst offener, um die alte Ordnung anzugreifen.

Der „Figaro“ basiert auf einem Theaterstück, das damals in Österreich und Frankreich verboten war. Es erzählt die Geschichte des gleichnamigen Dieners, der Susanna heiraten will, ebenfalls eine Dienerin. Der Graf, ihr Herr, beschließt, sein Recht wahrzunehmen, vor der Hochzeit mit Susanna zu schlafen.

Figaro und die anderen Diener versuchen, den Grafen vor der Hochzeit auszumanövrieren. Figaro singt eine Arie der Rache am Grafen: Se Vuol Ballare. Mozart ergänzt Figaros Wut durch Sarkasmus, indem er die Arie mit einem Menuett begleitet, die Musik der Ballsäle des Adels.

„Don Giovanni“ beruht auf dem Don-Juan-Mythos. Der Inhalt ist mehrdeutig, aber die Musik entfaltet eine dramatische Kraft, die nie zuvor zu hören war.

Auf dem Höhepunkt weigert sich Don Giovanni, für seine Sünden zu büßen und wird in die Hölle verschleppt. Die Szene ist eine der durchdringendsten der Operngeschichte. Sie beinhaltet musikalische Ideen, die noch über 100 Jahre später als radikal angesehen wurden.

Weit radikaler als die schrittweisen Reformen Josephs II. war 1789 die Französische Revolution, weshalb der Kaiser sie bekämpfte.

Mozart machte seine vorletzte Oper, die „Zauberflöte“, zu einer kaum verschleierten Ode an die fortschrittlichen Ideale der Freimaurerei und der Aufklärung. Während die Revolution in Paris triumphierte, schmiedete der Kaiser Pläne, sie zu zerschlagen. Mozart stellte sich auf die Seite der Revolution.

Wenige Monate nach Vollendung der „Zauberflöte“ starb Mozart 1791 mit 35 Jahren. Trotz seines kurzen Lebens hat er Werke geschaffen, die noch 200 Jahre später die Spannung und die Hoffnung seiner revolutionären Zeit zum Leben erwecken können.

Von Simon Behrman

Linksruck Nr. 215, 22. Februar 2006

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