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Iran 1953: Der Demokrat aus Teheran

Teheran im September 1951: der iranische Premierminister Mohammed Mossadegh spricht zu Demonstranten während des Ölstreits mit Großbritannien. Er sagt „Sorgt euch nicht, die Briten sind unsere Freunde“. Währendessen bereitet die britische Regierung schon seinen Sturz vor

Schon einmal haben die USA und Großbritannien einen Militärschlag gegen Iran geführt, um sich das Öl des Landes zu sichern. 1953 finanzierte und organisierte der US-Geheimdienst CIA den Putsch der Monarchisten gegen Mossadegh, weil er die Ölindustrie verstaatlicht hatte.

Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte Großbritannien Teile des Nahen Ostens besetzt und auch große Macht über die iranische Politik. Folgte die iranische Regierung nicht den Wünschen der britischen, drohte diese mit Wirtschaftssanktionen oder Krieg.

Vor allem seit Anfang des 20. Jahrhunderts große Ölquellen in Iran entdeckt wurden, wollte Großbritannien das Land um jeden Preis beherrschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg besaß die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) das gesamte iranische Öl. Der größte britische Konzern gehörte dem Staat Großbritannien und garantierte die Versorgung der britischen Wirtschaft mit Öl. Später wurde das Unternehmen in BP umbenannt.

In den 50er Jahren machte die AIOC 200 Millionen Pfund Profit, zahlte an Iran aber nur 16 Millionen an Fördergebühren, Dividenden und Steuern. An die britische Regierung hingegen zahlte AIOC 50 Millionen Steuern.

Den Iranern wurde ihre Ausbeutung auch dadurch verdeutlicht, dass Öl in Iran teurer war als in Großbritannien. Außerdem zeigten die britischen Beamten und Manager dieselbe rassistische Arroganz wie in den Kolonialgebieten.

Am 28. April 1951 wählte das Parlament Mohammed Mossadegh zum Premierminister. Bereits am 1. Mai kündigte er die Verstaatlichung der Ölindustrie an.

Die britische Regierung vermutete zu Recht, dass sie die Kontrolle über den gesamten Nahen Osten verlieren könnte: „Wenn es Persien erlaubt würde, damit davonzukommen, würden sich Ägypten und andere Länder im Nahen Osten ermutigt fühlen, es auch zu versuchen. Als nächstes könnten sie versuchen, den Suez-Kanal zu verstaatlichen“, so Emanuel Shinwell, damals britischer Verteidigungsminister.

Außenminister Herbert Morrison wollte die Armee nach Iran schicken, um die Ölfelder zu besetzen und Mossadegh zu stürzen. Er gestand einem Beamten, er wünschte, er wäre Lord Palmerston, der britische Außenminister, der im späten 19. Jahrhundert die brutale Kolonialpolitik in Indien und dem Nahen Osten befahl und „Kanonenboote schickte, um die Eingeborenen einzuschüchtern“.

Doch die britische Regierung hatte nicht genug Soldaten zur Verfügung, um Iran anzugreifen. Die britische Armee kämpfte bereits mit den USA in Korea, versuchte in Malaysia ihre Kolonien zu halten und tausende britische Soldaten besetzten in Ägypten die Region um den Suez-Kanal.

Daher wurde beschlossen, „nur“ die damals größte Ölraffinerie in Abadan zu beschlagnahmen. Durch die wirtschaftliche Schwächung Irans sollte Mossadegh zum Rücktritt gezwungen werden.

Doch die US-Regierung unterstützte diesen Plan nicht, weil sie den britischen Einfluss im Nahen Osten zu ihren eigenen Gunsten zurückdrängen wollte. Der britische Premierminister Attlee erklärte, „dass angesichts der Position der USA Gewalt beim Halten der Raffinerie nicht eingesetzt werden kann. Wir könnten es uns nicht leisten, in einer solchen Frage mit den USA zu brechen.“

Doch schon 1953 finanzierte und organisierte der US-Geheimdienst CIA zusammen mit dem britischen Geheimdienst MI6 den Putsch gegen Mossadegh selbst. Im März 1953 bat ein iranischer General in der US-Botschaft um Unterstützung für einen Staatsstreich der Armee. Im April bewilligte Allen Dulles, Direktor der CIA, 1 Million US-Dollar für Ausgaben, die „in irgend einer Weise zum Sturz Mossadeghs führen“.

Die CIA verbreitete in der iranischen Hauptstadt Teheran regierungsfeindliche Cartoons und begann laut eines Berichts des damaligen CIA-Agenten Donald Wilber, „ungünstige Artikel in die Lokalpresse zu pflanzen“. Im Juni entwarfen US-amerikanische und britische Agenten zusammen einen genauen Plan für den Putsch.

Kurz darauf kam Kermit Roosevelt, Chef der CIA im Nahen Osten und Enkel des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt, nach Teheran, um den Staatsstreich zu leiten. Am 11. Juli unterschrieb US-Präsident Eisenhower den Plan. Darin war festgelegt, dass die Demokratie in Iran abgeschafft und der bereits ins Ausland geflohene Mohammad Reza Pahlavi wieder als Schah eingesetzt werden sollte.

Am Morgen des 19. August begann die Armee mit dem Putsch. „Schon um 10 Uhr 15 befanden sich auf allen größeren Plätzen ganze Lastwagen voller Anhänger des Schahs aus dem Militär“, so Wilber. Kurz nach Mittag fiel das zentrale Telegrafenamt. Ins ganze Land wurden Telegramme geschickt, die zur Unterstützung des Schahs aufriefen. Am frühen Nachmittag eroberte die Armee die Radiostation Teheran, so dass über Rundfunk der Sieg der Putschisten verbreitet werden konnte. Mossadegh und seine Verbündeten wurden verhaftet.

Mit seinem Sturz begann die Herrschaft Pahlavis, einer der grausamsten Diktatoren nach 1945, den die USA bis zu seinem Sturz 1979 mit viel Geld und vielen Waffen versorgten. Im Gegenzug wurde das iranische Öl einem Konsortium aus einem US-amerikanischem, einem britischen, einem französischen und einem niederländischen Konzern geschenkt.

Nicht ein Cent der Profite aus dem Ölgeschäft ging an die Iraner. Jeden Tropfen Öl musste Iran zurückkaufen. Erst durch die angeblich „islamische Revolution“ 1979 verloren die amerikanischen und europäischen Konzerne wieder die Herrschaft über das iranische Öl.

Deshalb bedrohen die USA wieder Iran, über 50 Jahre nach dem Sturz Mossadeghs. Doch diesmal bevorzugt die US-Regierung eine andere Strategie, um das Öl wiederzubekommen: den Krieg.

Linksruck Nr. 216, 8. März 2006

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