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Das ist keine Freiheit, Mr. Bush!

- Irak – der Krieg nach dem Krieg -

Eine neue Ära von Kriegen

Die weiteren Pläne der Bush-Regierung bedrohen Millionen Menschen mit Krieg. Der irakische Widerstand gegen die US-Besatzung erschwert sie. Die Besatzung des Irak durch US-Truppen war nur der erste Schritt zu einer neuen Weltordnung, die von den Interessen der US-Konzerne bestimmt wird. Weitere Kriege sollen folgen. Eine starke Bewegung gegen die US-Besatzer im Irak kann Bushs Pläne durchkreuzen. Deshalb ist es wichtig, den Widerstand der Iraker zu unterstützen. In einer Rede auf einem Flugzeugträger Anfang Mai erklärte US-Präsident Bush die Kämpfe im Irak für beendet. Die ersten Mitglieder des Marionettenregimes der USA im Irak sind bereits ernannt. Gleichzeitig leitet die Bush-Regierung eine neue Militärstrategie ein. Es werde in den kommenden Monaten ein "Neuarrangement des Fußabdrucks" der US-Armee in der Golfregion geben, sagte der Chef des US-Zentralkommandos, General Franks, der auch den Oberbefehl im Krieg gegen den Irak hatte. "Wir müssen jetzt sehen, welche Art von Fußabdruck für uns die größte Rendite bringt.". Die US-Regierung hat angekündigt, Truppen aus Saudi-Arabien abzuziehen und in andere Golfstaaten zu verlegen. Durch die Proteste der Bevölkerung ist die saudische Regierung unter Druck geraten und ein unsicherer Verbündeter für die USA geworden. Das dem Bush-Kabinett nahe stehende Politik-Institut Stratfor schrieb Anfang Mai: "Die Umverlegung der Truppen sollte für die Vereinigten Staaten als Ende der Weltordnung nach dem Kalten Krieg und als Beginn einer neuen und fundamental anderen Ära verstanden werden. Die Länder, die ein drängendes Problem für die USA darstellen, sind solche wie Syrien, Iran oder Pakistan. Einfluss auf diese Länder kann nicht mit den Strukturen aus der Zeit des Kalten Krieges erreicht werden." Bush hat erklärt und gezeigt, dass die USA mit verschiedenen Verbündeten "vorbeugende" Kriege gegen Länder führen können, die den Interessen der USA im Weg stehen. Dies unterstrich Colin Powell während seiner Reise nach Syrien letzte Woche. Er forderte von Syrien, sämtliche Unterstützung für palästinensische Gruppen aufzugeben. Andernfalls hat die Bush-Regierung in den letzten Wochen wiederholt mit Krieg gedroht.
"Sie stehlen unser Öl, und sie schlachten unser Volk ab", sagt Shuker Abdullah Hamid über die US-Truppen auf der Beerdigung seines Cousins. Shukers Cousin war einer der 14 Menschen, die US-Soldaten am 28. April in Faludscha ermordet haben. Er hatte gemeinsam mit 200 anderen unbewaffneten Einwohnern demonstriert, nachdem am Wochenende US-Soldaten in die 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Stadt einmarschiert waren und eine Schule besetzt hatten.
Die Demonstranten forderten die Militärs auf, das Schulgebäude und die Stadt sofort zu verlassen. Nachdem aus der Menge ein Stein auf die Soldaten geworfen worden war, befahl der US-Befehlshaber Nkosi Campbell zu schießen. Nach einer halben Stunde Maschinengewehrfeuer waren 14 Menschen tot und 75 verletzt.
"Sie haben auf jeden geschossen, der sich bewegte", erzählt Rafid Mahmoud einen Tag später neben dem Bett seines Bruders in einem Krankenhaus. Sein Fuß musste amputiert werden.
Zwei Tage nach dem Blutbad zogen etwa 1.000 Menschen vor das US-Hauptquartier in Faludscha, um das Massaker zu verurteilen und ihre Wut über die Besatzung zu zeigen. Erneut griffen die US-Truppen an – sie töteten drei Menschen und verwundeten 14. US-Major Marti erklärte, Soldaten aus einem vorüber fahrenden Konvoi hätten das Feuer auf die Menge eröffnet, nachdem die Scheibe eines Militärfahrzeugs von Steinen getroffen worden und zerbrochen war. Die Soldaten hätten die Steine für einen Angriff mit Maschinengewehren gehalten.
Kurze Zeit später trafen sich US-Generäle unter militärischer Bewachung mit führenden Scheichs der Region, um über die Lage in Faludscha zu beraten. Vor dem Gebäude demonstrierte die Bevölkerung für ihre Selbstbestimmung.
Nach dem Treffen berichtete der Imam der größten Moschee der Stadt, Jamal Shakir Mahmoud: "Die Amerikaner haben gesagt: `Wir werden keine Soldaten abziehen, sie werden für die Sicherheit gebraucht.` Aber die Menschen aus Faludscha haben ihnen geantwortet, dass wir schon selbst für unsere Sicherheit sorgen. Wir fordern die Amerikaner auf, diesen Ort zu verlassen"
Weder in Faludscha noch in anderen irakischen Städten denken die US-Militärs daran, sich zurückzuziehen. Im Gegenteil: US-General Webster erklärte Reportern, dass weitere 4.000 Soldaten in den nächsten zwei Wochen in Bagdad einmarschieren werden.
"Wir haben im Moment über 12.000 Soldaten hier, aber sie wissen besser als ich, dass dies eine große und unruhige Stadt ist. Da können sich 12.000 Soldaten leicht verlieren." Webster betonte, dass die US-geführte Koalition der alleinige Machthaber im Irak sei.
Nach US-Angaben sind derzeit im Irak insgesamt 150.000 Soldaten stationiert. Die New York Times zitierte den irakischen Zahnarzt Ghassan Abda Rzak al-Obaidy: "Die Amerikaner wollen so lange wie möglich bleiben. Sie wollen ihre Güter und Dienstleistungen hier verkaufen. Was wir erleben ist ein Krieg ums Geld."

von Clara Stattegger

Linksruck Nr. 153, 6. Mai 2003

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