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Film: Spurwechsel:

Die Spur des Klassenkampfes

Sie hätte einen ehrlichen Mann heiraten können, sagt die schöne junge Frau. Stattdessen habe sie lieber einen gewählt, der alles tun würde, um richtig Geld zu machen. Man arbeite nicht an der Wall Street, wenn man dazu nicht bereit sei, fügt sie noch hinzu, und schenkt dabei ihrem Mann einen so kalten Blick, dass ihm die Tränen in die Augen steigen.
Bei diesem Gespräch mit seiner Frau steht Yuppie-Anwalt Gavin Banek (Ben Affleck) bis zum Hals in Schwierigkeiten: Er hat im Auftrag seiner Kanzlei einen senilen Milliardär um Millionen geprellt. Beim titelgebenden Spurwechsel auf der Autobahn hat Banek einen Unfall mit dem schwarzen Call-Center-Arbeiter Doyle Gipson (Samuel L. Jackson). Dabei verliert Banek eine Akte, die der Kanzlei eben jene Millionen garantiert. Er muss die Akte um jeden Preis zurückbekommen, doch Gipson, ein verzweifelter, in einen Scheidungskrieg verwickelter, bis vor kurzem alkoholkranker Mann, hat sie mitgenommen und will sie nicht wieder hergeben.
„Mehr Glück beim nächsten Mal“, ruft ihm Banek nach dem Unfall zu und braust davon. Weil er Gipson nicht mitnimmt, kommt dieser zu spät zum Gerichtstermin, wo er das Besuchsrecht für seine Kinder erstreiten wollte. Als er wütend in den Saal hetzt, ist alles schon entschieden. Seine Frau verlässt wortlos den Raum.
Nun heißt es: Millionärsanwalt gegen Arbeiterklasse, Weiß gegen Schwarz, Manhattan gegen Queens, Wall Street gegen Sozialamt, Reich gegen Arm. Ein rachsüchtiger Kampf der sozial Ungleichen beginnt, mit immer härteren Mitteln. Banek lässt durch einen Computerspezialisten Gipsons Konten löschen, um ihn zu zwingen, die Akte zurückzugeben. Dieser lockert im Gegenzug die Radmuttern an Baneks Wagen und bringt ihn fast um. Die Gegner treiben sich immer weiter ins Verderben, bis beide am Boden liegen.
Interessant wird „Spurwechsel“ jedoch vor allem, als Banek spätestens am Tisch mit seiner Frau dämmert, dass etwas an seinem bisherigen Karriere-Leben faul sein muss. Nachdem Banek per Mausklick Gipson zum kreditunwürdigen und damit kaum lebensfähigen Menschen macht, stürzt der Anwalt in die Bank, um sein Verbrechen rückgängig zu machen. Mit der Zeit vergeht Banek das überhebliche Grinsen über seine eigene kapitalistische Schlechtigkeit.
Gipson, selber beschäftigt mit den Ungerechtigkeiten des Systems und anders als Banek auch davon Betroffen, spielt hier den Geburtshelfer der Gesellschaftskritik. Sein Beharren auf Gerechtigkeit treibt Banek immer weiter ins moralische Dilemma.
Am Ende steht zwar die Hollywood-übliche Versöhnung der Kampfhähne, doch insgesamt ist der Film ein gelungene Mischung aus Thriller, Drama und Realsatire. Vor allem aber ist er eine Parabel über die sozialen Konflikte unserer Welt. Durch den buchstäblichen Zusammenstoß der Klassen wird besonders deutlich, wie verlogen die Moral der Herrschenden ist.

Linksruck Nr. 142, 19. November 2002

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